Einzelhandel Lichtkonzept

Verkaufsfördernde Beleuchtung professionell planen

Warum ist professionelle Ladenbeleuchtung entscheidend?

Ein durchdachtes Lichtkonzept im Einzelhandel steigert nachweislich den Umsatz um bis zu 20%. Licht beeinflusst die Wahrnehmung der Produkte, die Verweildauer der Kunden und das gesamte Einkaufserlebnis. Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie ein verkaufsförderndes Beleuchtungskonzept nach aktuellen Standards entwickeln.

Wichtig: Die Beleuchtungsplanung muss die Normen DIN EN 12464-1 (Beleuchtung von Arbeitsstätten) und ASR A3.4 (Beleuchtung) berücksichtigen.

1Beleuchtungszonen definieren

Jeder Bereich im Einzelhandel hat spezifische Beleuchtungsanforderungen. Die richtige Zonierung ist die Grundlage für ein effektives Lichtkonzept.

BereichBeleuchtungsstärkeFarbtemperaturCRI-WertEmpfohlene Leuchten
Verkaufsfläche allgemein300 Lux3500-4000 KRa ≥ 80LED-Panels, Einbaustrahler
Kassenbereich500 Lux4000 KRa ≥ 80Einbau-Downlights, Pendelleuchten
Schaufenster1000-2000 Lux3000-4000 KRa ≥ 90LED-Strahler, Schienenleuchten
Umkleidekabinen400-500 Lux3000-3500 KRa ≥ 90Vertikale Wandleuchten, Spiegelleuchten
Lager/Nebenräume200 Lux4000 KRa ≥ 80LED-Feuchtraumleuchten, Wannenleuchten

Normative Grundlage

Die angegebenen Werte basieren auf DIN EN 12464-1:2021 „Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten – Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen". Für spezielle Anforderungen können höhere Werte erforderlich sein.

2Produktspezifische Beleuchtung

Verschiedene Warengruppen benötigen unterschiedliche Lichtqualitäten, um optimal präsentiert zu werden. Die Farbtemperatur und Farbwiedergabe sind entscheidend für die Produktwahrnehmung.

ProduktkategorieFarbtemperaturCRI-WertBesonderheiten
Frisches Obst & Gemüse3300-4500 KRa ≥ 90Erhöhter Grünanteil für Frische-Eindruck
Fleisch & Wurst3000-3500 KRa ≥ 90, R9 ≥ 50Erhöhter Rotanteil, spezielle Fleisch-LEDs
Backwaren2700-3000 KRa ≥ 80Warmweißes Licht für appetitliche Wirkung
Mode & Textilien3500-4000 KRa ≥ 90Natürliche Farbwiedergabe essentiell
Schmuck & Uhren3300-7000 KRa ≥ 95Brillanz-Effekte, gerichtetes Licht
Elektronik4000-5000 KRa ≥ 80Neutralweißes Licht für Sachlichkeit

Wichtiger Hinweis zu R9-Wert

Der R9-Wert (Farbwiedergabe von gesättigtem Rot) ist besonders wichtig für Fleisch, Wurst und rote Textilien. Standard-CRI (Ra) berücksichtigt R9 nicht – achten Sie auf separate R9-Angaben ≥ 50 für diese Warengruppen.

3Drei-Ebenen-Beleuchtungsmodell

Ein professionelles Einzelhandels-Lichtkonzept besteht aus drei Beleuchtungsebenen, die zusammen ein harmonisches und verkaufsförderndes Gesamtbild erzeugen.

Grundbeleuchtung300 Lux gleichmäßigLED-Panels, DownlightsAkzentbeleuchtung1000-1500 Lux punktuellStrahler, SpotsAtmosphäreDekorativ, indirektLED-Strips, WandfluterBasis für Orientierungund SicherheitProduktinszenierungKontrast 3:1 bis 5:1Markenidentitätund WohlfühlatmosphäreGesamtwirkungVerkaufsförderndes, harmonisches Lichtkonzept

1Grundbeleuchtung

  • Gleichmäßige Ausleuchtung 300 Lux
  • Neutralweiß 3500-4000 K
  • LED-Panels oder Einbaustrahler
  • Gleichmäßigkeitsfaktor ≥ 0,6

2Akzentbeleuchtung

  • Punktuelle Highlights 1000-1500 Lux
  • Kontrastverhältnis 3:1 bis 5:1
  • LED-Strahler auf Schienensystem
  • Abstrahlwinkel 15°-36° je nach Bedarf

3Atmosphärische Beleuchtung

  • Indirektes, dekoratives Licht
  • Markenfarben und -identität
  • LED-Strips, Wandfluter
  • RGB/RGBW für Farbwechsel möglich

4Schritt-für-Schritt Planungsanleitung

Schritt 1: Bedarfsanalyse und Vermessung

  • Verkaufsfläche vermessen (Länge, Breite, Deckenhöhe)
  • Zonen identifizieren (Eingang, Verkaufsfläche, Kasse, Umkleide, Schaufenster)
  • Produktkategorien erfassen und Warengruppen zuordnen
  • Bestehende Beleuchtung dokumentieren (falls Sanierung)
  • Tageslichteinfall bewerten (Fenster, Oberlichter)

Schritt 2: Beleuchtungsstärken festlegen

  • Normwerte nach DIN EN 12464-1 als Mindestanforderung verwenden
  • Für Verkaufsflächen: 300 Lux Grundbeleuchtung einplanen
  • Akzentbeleuchtung mit 3-5 facher Helligkeit der Grundbeleuchtung
  • Schaufenster: 1000-2000 Lux für Aufmerksamkeit von außen

Schritt 3: Leuchtmittel und Leuchten auswählen

  • LED-Technologie bevorzugen (Energieeffizienz, Lebensdauer, Wartung)
  • Grundbeleuchtung: LED-Panels (60x60 cm oder 120x30 cm) oder Einbaustrahler
  • Akzentbeleuchtung: 3-Phasen-Schienensystem mit verstellbaren LED-Strahlern
  • Farbtemperatur und CRI-Wert produktspezifisch wählen (siehe Tabelle oben)
  • UGR-Wert ≤ 19 für blendfreie Beleuchtung beachten

Schritt 4: Lichtsteuerung konzipieren

  • Dimmbare Systeme für flexible Lichtanpassung (DALI, 1-10V oder Phasenabschnitt)
  • Szenensteuerung für verschiedene Tageszeiten und Events
  • Tageslichtabhängige Regelung (Konstantlichtregelung) bei Fensterfronten
  • Präsenzmelder in Nebenräumen (Lager, Toiletten) für Energieeinsparung
  • Zeitschaltuhren für automatisches Ein-/Ausschalten außerhalb Öffnungszeiten

Schritt 5: Lichtberechnung durchführen

  • Lichtplanungssoftware verwenden (z.B. DIALux, Relux) für präzise Berechnung
  • Raumgeometrie, Reflexionsgrade (Decke 70%, Wände 50%, Boden 20%) eingeben
  • Leuchtenanordnung optimieren für gleichmäßige Ausleuchtung (Gleichmäßigkeit ≥ 0,6)
  • Wartungsfaktor berücksichtigen (typisch 0,67 für LED-Systeme)
  • Energieverbrauch und Amortisationszeit berechnen

Schritt 6: Installation und Inbetriebnahme

  • Installation durch qualifizierte Elektrofachkraft (nach DIN VDE 0100)
  • Beleuchtungsstärke nach Installation mit Luxmeter überprüfen
  • Strahler ausrichten und Lichtszenen programmieren
  • Feinabstimmung mit Testprodukten und Kundenfeedback
  • Dokumentation erstellen (Leuchtenpositionen, Einstellungen, Wartungsplan)

Schritt 7: Wartung und Optimierung

  • Regelmäßige Reinigung der Leuchten (halbjährlich)
  • Beleuchtungsstärke jährlich kontrollieren und nachjustieren
  • Defekte Leuchtmittel zeitnah austauschen (Ersatzteillager anlegen)
  • Lichtkonzept bei Sortiments- oder Ladenumbauten anpassen
  • Energieverbrauch monitoren und Optimierungspotenziale identifizieren

💡Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit

Ein modernes LED-Beleuchtungskonzept reduziert die Energiekosten um bis zu 70% gegenüber konventioneller Beleuchtung und amortisiert sich typischerweise innerhalb von 2-4 Jahren.

Einsparpotenziale

  • 70%Energieeinsparung durch LED-Technologie vs. Halogen
  • 50%Reduzierte Wartungskosten durch lange LED-Lebensdauer (50.000h)
  • 30%Zusätzliche Einsparung durch intelligente Lichtsteuerung
  • 90%Weniger Wärmeentwicklung, reduzierte Klimatisierungskosten

Investitionskosten (Richtwerte)

  • Grundbeleuchtung (LED-Panels)40-80 €/m²
  • Akzentbeleuchtung (Schienensystem)60-120 €/m²
  • Lichtsteuerung (DALI-System)15-30 €/m²
  • Installation und Inbetriebnahme30-50 €/m²
  • Gesamt (Komplettsystem)145-280 €/m²

Amortisationsrechnung (Beispiel 100 m² Verkaufsfläche)

Investition:

18.000 €

(180 €/m² Durchschnitt)

Jährliche Einsparung:

6.500 €

(Energie + Wartung)

Amortisationszeit:

2,8 Jahre

(bei 3.500 h/Jahr Betrieb)

⚠️Häufige Fehler vermeiden

Zu niedrige Beleuchtungsstärke

Mindestens 300 Lux auf Verkaufsfläche einhalten. Zu dunkle Läden wirken unattraktiv und mindern die Produktwahrnehmung.

Schlechte Farbwiedergabe

CRI unter 80 verfälscht Produktfarben. Besonders kritisch bei Mode, Lebensmitteln und Kosmetik. Mindestens Ra 90 verwenden.

Blendung durch falsche Leuchten

UGR-Wert über 19 führt zu Blendung und Unbehagen. Leuchten mit Blendschutz und korrekter Ausrichtung wählen.

Fehlende Flexibilität

Fest installierte Leuchten ohne Verstellmöglichkeit. Schienensysteme für Akzentbeleuchtung ermöglichen Anpassungen bei Sortimentswechsel.

Zu schwacher Kontrast

Akzentbeleuchtung muss 3-5x heller sein als Grundbeleuchtung. Zu geringer Kontrast lässt Produkte nicht hervorstechen.

Falsche Farbtemperatur

Kaltweiß (>5000K) wirkt ungemütlich im Einzelhandel. Neutralweiß (3500-4000K) ist optimal für die meisten Warengruppen.

Keine Wartungsplanung

Verschmutzte Leuchten reduzieren Lichtstrom um bis zu 30%. Halbjährliche Reinigung und jährliche Lichtmessung einplanen.

Billige LED-Produkte

Minderwertige LEDs haben kurze Lebensdauer, Farbabweichungen und Flimmern. Markenprodukte mit 5 Jahren Garantie wählen.

Checkliste: Lichtkonzept-Planung

Planungsphase

  • Verkaufsfläche vermessen und Zonen definiert
  • Produktkategorien erfasst und Anforderungen ermittelt
  • Beleuchtungsstärken nach DIN EN 12464-1 festgelegt
  • Farbtemperatur und CRI-Werte produktspezifisch gewählt
  • Lichtberechnung mit Software durchgeführt
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt

Umsetzungsphase

  • Hochwertige LED-Leuchten mit Garantie ausgewählt
  • Schienensystem für flexible Akzentbeleuchtung installiert
  • Lichtsteuerung (Dimmer, Szenen) integriert
  • Installation durch Elektrofachkraft durchgeführt
  • Beleuchtungsstärke mit Luxmeter überprüft
  • Wartungsplan erstellt und dokumentiert

Weiterführende Informationen

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