Beleuchtung berechnen

Beleuchtungsstärke richtig berechnen

⏱️ Dauer

30-60 Min

🔧 Schwierigkeit

Einfach

📋 Schritte

5 Schritte

🎯 Überblick: Beleuchtung richtig berechnen

Die richtige Beleuchtungsstärke ist entscheidend für Komfort, Produktivität und Sehgesundheit. Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie mit der Grundformel der Lichttechnik die benötigten Lumen für jeden Raum präzise berechnen – basierend auf DIN EN 12464-1.

📐 Grundformel (vereinfacht)

Φ = E × A × fW

Φ = Lichtstrom (Lumen)
E = Beleuchtungsstärke (Lux)
A = Fläche (m²)
fW = Wartungsfaktor (1,25)

🎓 Erweiterte Formel

Φ = (E × A) / (η × fW)

η = Raumwirkungsgrad (0,4-0,8)
fW = Wartungsfaktor (0,67-0,8)
Für präzise Lichtplanung

💡 Hinweis: Diese Anleitung verwendet die vereinfachte Formel mit Wartungsfaktor 1,25 (entspricht 1 / 0,8 in der erweiterten Formel). Für Standardräume mit hellen Wänden ist der Raumwirkungsgrad bereits berücksichtigt.

📦 Benötigte Werkzeuge & Hilfsmittel

  • Maßband
  • Taschenrechner
  • DIN-Tabellen
  • Online-Rechner

📝 Schritt-für-Schritt Anleitung

1

Raumfläche messen

Messen Sie Länge und Breite des Raums mit einem Maßband. Bei rechteckigen Räumen multiplizieren Sie beide Werte. Bei L-förmigen oder komplexen Räumen teilen Sie diese in rechteckige Bereiche auf.

🧮 Formel:

A = Länge × Breite (in Metern)

Beispiel: Wohnzimmer 5 m × 4 m = 20 m²

2

Ziel-Beleuchtungsstärke (Lux) festlegen

Die DIN EN 12464-1 definiert Mindest-Lux-Werte für verschiedene Räume und Tätigkeiten. Wählen Sie den passenden Wert aus der Tabelle:

Raumtyp / TätigkeitBeleuchtungsstärkeAnwendungNorm
Wohnzimmer100-150 lxAllgemeinbeleuchtungEmpfehlung
Küche (Arbeitsfläche)500 lxSchneiden, KochenDIN 12464-1
Büro (Schreibtisch)500 lxLesen, PC-ArbeitDIN 12464-1
Badezimmer200-300 lxKörperpflege, SpiegelEmpfehlung
Schlafzimmer50-100 lxEntspannung, NachtlichtEmpfehlung
Flur / Treppenhaus100 lxOrientierung, SicherheitDIN 12464-1
Werkstatt / Hobby300-500 lxFeinarbeiten, MontageDIN 12464-1
Verkaufsraum300 lxWarenansichtDIN 12464-1
Lagerraum200 lxAllgemeine TätigkeitenDIN 12464-1
Parkhaus75 lxOrientierung, FahrenDIN 12464-1

💡 Tipp: Für Räume mit mehreren Nutzungen wählen Sie den höheren Lux-Wert (z.B. Küche: 500 lx für Arbeitsbereiche, 150 lx für Essbereich).

3

Gesamtlumen berechnen (mit Wartungsfaktor)

Jetzt kombinieren Sie Fläche und Lux-Wert. Der Wartungsfaktor (1,25) kompensiert Verschmutzung und Alterung von LEDs (ca. 20% Helligkeitsverlust über 50.000 Stunden).

🧮 Grundformel:

Φ = E × A × f

  • Φ = Benötigter Gesamt-Lichtstrom (Lumen)
  • E = Beleuchtungsstärke (Lux)
  • A = Raumfläche (m²)
  • f = Wartungsfaktor (1,25 für Innenräume)

📊 Rechenbeispiel Wohnzimmer:

  • • Fläche: 20 m²
  • • Ziel-Lux: 150 lx
  • • Wartungsfaktor: 1,25

150 lx × 20 m² × 1,25 = 3.750 Lumen

Sie benötigen also insgesamt 3.750 Lumen für gleichmäßige Beleuchtung.

4

Leuchtenanzahl ermitteln

Teilen Sie den Gesamt-Lichtstrom durch die Lumen-Leistung einer einzelnen Leuchte. Die Lumen-Angabe finden Sie auf der Verpackung oder im Datenblatt.

🧮 Formel:

Anzahl = Gesamt-Lumen ÷ Lumen pro Leuchte

Beispiel 1: LED-Deckenleuchten

  • • Gesamt: 3.750 lm
  • • Pro Leuchte: 800 lm

3.750 ÷ 800 = 4,7 → 5 Leuchten

Beispiel 2: LED-Einbaustrahler

  • • Gesamt: 3.750 lm
  • • Pro Strahler: 450 lm

3.750 ÷ 450 = 8,3 → 9 Strahler

⚠️ Wichtig: Immer aufrunden! 4,7 Leuchten → mindestens 5 installieren.

5

Verteilung & Anordnung optimieren

Verteilen Sie die Leuchten gleichmäßig, um Lichtinseln und Schatten zu vermeiden. Beachten Sie dabei Raumgeometrie und Möblierung.

📐 Faustregeln für Abstände:

  • Abstand zwischen Leuchten: 1,0 – 1,5 × Raumhöhe (z.B. bei 2,5 m Höhe → 2,5 – 3,75 m Abstand)
  • Abstand zur Wand: 0,5 × Abstand zwischen Leuchten
  • Symmetrie: Rasteranordnung für gleichmäßige Ausleuchtung bevorzugen

🗺️ Anordnungsbeispiel (5 Leuchten in 20 m² Raum):

5,0 m4,0 m2,75 m0,9 m

Leuchte

Lichtverteilung

Abstand

Optimale Anordnung: Gleichmäßige Abstände für homogene Ausleuchtung

🎨 Erweiterte Faktoren

🎨 Reflexionsgrad berücksichtigen

Dunkle Oberflächen absorbieren bis zu 80% des Lichts. Erhöhen Sie die Lumen-Zahl entsprechend:

OberflächeReflexionFaktor
Weiße Wände70-85%1,0×
Beige/Hellgrau50-70%1,2×
Dunkelblau/-grau10-30%1,5×

🔆 Raumhöhe & Lichtverteilung

Bei hohen Decken (über 3 m) nimmt die Lichtstärke auf Nutzebene ab:

RaumhöheVerlustZuschlag
2,4 – 3,0 mStandard0%
3,0 – 4,0 m10-15%+20%
> 4,0 m20-30%+40%

🧮 Vollständige Formel mit allen Faktoren:

Φ = E × A × fWartung × fReflexion × fHöhe

Beispiel: 20 m² Raum, 150 lx, dunkle Wände (1,5×), normale Höhe
→ 150 × 20 × 1,25 × 1,5 = 5.625 Lumen (statt 3.750 lm)

🎓 Professionelle Lichtplanung: Wirkungsgradmethode

Für präzise Lichtplanung in gewerblichen Bereichen oder bei komplexen Raumgeometrien wird die Wirkungsgradmethode nach DIN EN 12464-1 verwendet.

1. Raumindex berechnen (k)

Der Raumindex berücksichtigt die Raumgeometrie:

k = (L × B) / (h × (L + B))

L=Länge, B=Breite, h=Höhe

Beispiel:

Raum 6×4 m, Höhe 2,8 m

k = (6×4)/(2,8×10) = 0,86

2. Reflexionsgrade ermitteln

OberflächeTypischer Wert
Decke (hell)0,7 – 0,9
Wände (mittel)0,5 – 0,7
Boden (dunkel)0,2 – 0,4

3. Raumwirkungsgrad (η) bestimmen

Der Raumwirkungsgrad beschreibt, wie viel Licht tatsächlich auf der Nutzebene ankommt. Er wird aus Tabellen in Abhängigkeit von Raumindex und Reflexionsgraden abgelesen.

Raumindex kHell (ρ=0,7/0,5/0,3)Mittel (ρ=0,5/0,3/0,2)Dunkel (ρ=0,3/0,3/0,1)
0,6 – 0,80,55 – 0,650,45 – 0,550,35 – 0,45
0,8 – 1,250,60 – 0,700,50 – 0,600,40 – 0,50
1,25 – 2,00,65 – 0,750,55 – 0,650,45 – 0,55
> 2,00,70 – 0,800,60 – 0,700,50 – 0,60

ρ = Reflexionsgrade Decke/Wände/Boden

🧮 Professionelle Berechnungsformel:

Φ = (E × A) / (η × fW)

Variablen:

  • E = Beleuchtungsstärke (Lux)
  • A = Raumfläche (m²)
  • η = Raumwirkungsgrad (0,4-0,8)
  • fW = Wartungsfaktor (0,67-0,8)

Beispiel Büroraum:

  • • E = 500 lx, A = 20 m²
  • • η = 0,6, fW = 0,8
  • • Φ = (500×20)/(0,6×0,8)
  • Φ = 20.833 Lumen

💡 Hinweis: Für Wohnräume ist die vereinfachte Formel (Φ = E × A × 1,25) ausreichend. Die Wirkungsgradmethode wird für gewerbliche Beleuchtungsplanung, Büros ab 50 m² und Industrieanlagen empfohlen.

📊 Praktische Rechenbeispiele

Beispiel 1: Büro-Arbeitsplatz

Gegebene Werte:

  • • Fläche: 12 m² (3 m × 4 m)
  • • Nutzung: PC-Arbeitsplatz
  • • Ziel-Lux: 500 lx (DIN-Norm)
  • • Wartungsfaktor: 1,25
  • • Leuchtmittel: LED-Panel 3.000 lm

Berechnung:

Φ = 500 × 12 × 1,25

Φ = 7.500 Lumen

Anzahl = 7.500 ÷ 3.000

→ 3 LED-Panels

Beispiel 2: Küche mit Arbeitsfläche

Gegebene Werte:

  • • Fläche: 10 m² (2,5 m × 4 m)
  • • Nutzung: Kochen, Schneiden
  • • Ziel-Lux: 500 lx (Arbeitsfläche)
  • • Wartungsfaktor: 1,25
  • • Leuchtmittel: LED-Spot 600 lm

Berechnung:

Φ = 500 × 10 × 1,25

Φ = 6.250 Lumen

Anzahl = 6.250 ÷ 600

→ 11 LED-Spots

Beispiel 3: Wohnzimmer mit dunklen Möbeln

Gegebene Werte:

  • • Fläche: 25 m² (5 m × 5 m)
  • • Nutzung: Fernsehen, Lesen
  • • Ziel-Lux: 150 lx
  • • Wartungsfaktor: 1,25
  • Reflexionsfaktor: 1,4× (dunkel)
  • • Leuchtmittel: LED-Strahler 800 lm

Berechnung:

Φ = 150 × 25 × 1,25 × 1,4

Φ = 6.563 Lumen

Anzahl = 6.563 ÷ 800

→ 9 LED-Strahler

Beispiel 4: LED-Streifen für Unterschrank

Gegebene Werte:

  • • Arbeitsfläche: 2 m Länge × 0,6 m = 1,2 m²
  • • Nutzung: Küchenarbeit
  • • Ziel-Lux: 500 lx
  • • Wartungsfaktor: 1,25
  • • LED-Streifen: 800 lm/m

Berechnung:

Φ = 500 × 1,2 × 1,25

Φ = 750 Lumen

Länge = 750 ÷ 800 lm/m

→ 1 m LED-Streifen

(Bei 2 m Breite reicht 1 Streifen)

🎓 Häufige Fehler vermeiden

Häufige Fehler

  • Wartungsfaktor vergessen: Führt zu 20% zu wenig Licht nach 2-3 Jahren
  • Abrunden statt Aufrunden: 4,7 Leuchten → 4 statt 5 (zu dunkel!)
  • Dunkle Wände ignorieren: Bis zu 50% mehr Lumen nötig
  • Watt statt Lumen: Watt = Verbrauch, Lumen = Helligkeit!

Best Practices

  • Immer aufrunden: Lieber 5% zu hell als 10% zu dunkel
  • Mehrere Lichtebenen: Grund-, Akzent- und Aufgabenbeleuchtung kombinieren
  • Dimmbare LEDs: Flexibilität für verschiedene Situationen
  • Farbtemperatur beachten: Warm (2700K) für Wohnen, Neutral (4000K) für Arbeit

🛠️ Praktische Tools & Rechner

💡 Leuchtmittel-Vergleich: Lumen & Effizienz

Die Wahl des richtigen Leuchtmittels beeinflusst sowohl die benötigte Anzahl als auch den Energieverbrauch. Hier ein Vergleich gängiger LED-Leuchtmittel:

Leuchtmittel-TypLichtstromLeistungEffizienzTypische Anwendung
LED-Einbaustrahler (GU10)350-600 lm5-7 W70-90 lm/WAkzentbeleuchtung, Spots
LED-Birne (E27)800-1.500 lm9-15 W90-110 lm/WAllgemeinbeleuchtung
LED-Panel (62×62 cm)3.000-5.000 lm30-45 W100-120 lm/WBüros, Schulen
LED-Röhre (150 cm)2.000-3.500 lm18-25 W110-140 lm/WWerkstätten, Garagen
LED-Streifen (1 m, dicht)800-1.200 lm/m10-15 W/m80-100 lm/WIndirekte Beleuchtung
LED-Deckenleuchte (Ø 40 cm)2.500-4.000 lm25-40 W100-120 lm/WWohnzimmer, Schlafzimmer
LED-Fluter (Außen)4.000-10.000 lm50-100 W80-100 lm/WAußenbeleuchtung, Hof

Effizienz-Tipp

LED-Panels und Röhren bieten die höchste Effizienz (110-140 lm/W) und eignen sich perfekt für große Flächen. Bei Wohnräumen sind dimmbare LED-Birnen mit 90-110 lm/W optimal.

💰 Kosten-Nutzen

Hocheffiziente LEDs (≥ 100 lm/W) amortisieren sich innerhalb von 1-2 Jahren durch geringeren Stromverbrauch. Bei 500 lx Dauerbeleuchtung können Sie bis zu 80% Energie einsparen.

❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie berechne ich die benötigten Lumen für einen Raum?

Grundformel: Lux × Raumfläche (m²) × Wartungsfaktor (1,25). Beispiel Wohnzimmer 20m² mit 150 lx: 150 × 20 × 1,25 = 3.750 Lumen Gesamt-Lichtstrom. Verteilen Sie diese auf mehrere Leuchten für gleichmäßige Ausleuchtung.

Was ist der Wartungsfaktor und warum brauche ich ihn?

Der Wartungsfaktor (typisch 1,2-1,3) berücksichtigt Verschmutzung und Alterung der Leuchten. LEDs verlieren über die Lebensdauer 10-30% Helligkeit. Faktor 1,25 bedeutet: 25% Reserve einplanen, damit auch nach Jahren noch genug Licht vorhanden ist.

Wie berücksichtige ich dunkle Wände und Böden?

Dunkle Oberflächen (Reflexionsgrad 10-30%) absorbieren mehr Licht. Erhöhen Sie die Lumen-Zahl um 20-50%:Helle Wände (weiß): Faktor 1,0 | Mittlere Farben (beige, grau): Faktor 1,2 |Dunkle Farben (schwarz, dunkelblau): Faktor 1,5. Oder nutzen Sie unseren Raumbeleuchtung-Rechner mit Reflexionsgrad-Eingabe.

Welche Lux-Werte schreibt die DIN EN 12464-1 vor?

Büro Schreibtisch: 500 lx (Pflicht bei Mitarbeitern) |Industrie Montage: 300-750 lx je nach Präzision |Verkaufsflächen: 300 lx |Wohnräume: 100-150 lx (Empfehlung) |Küche Arbeitsfläche: 500 lx. Die vollständige Tabelle finden Sie in unserem DIN-Lux-Werte Guide.

Kann ich die Berechnung auch für LED-Streifen nutzen?

Ja! LED-Streifen geben typisch 400-1.200 lm/m ab (je nach Dichte). Beispiel: Küchen-Unterschrank 2m braucht 1.000 lm → 1 LED-Streifen mit 600 lm/m × 2m = 1.200 lm reicht. Für indirekte Beleuchtung 20-50% mehr einplanen (Reflexionsverluste).

Schnellreferenz: Beleuchtung in 3 Schritten

1

Raumfläche × Lux

Multiplizieren Sie m² mit dem Lux-Wert aus der Tabelle oben

20 m² × 150 lx = 3.000
2

× Wartungsfaktor

Multiplizieren mit 1,25 für Verschmutzung & Alterung

3.000 × 1,25 = 3.750 lm
3

÷ Lumen pro Leuchte

Teilen durch Lumen einer Leuchte → Anzahl aufrunden

3.750 ÷ 800 = 4,7 → 5 LEDs

💡Merksatz: Fläche × Lux × 1,25 = Gesamt-Lumen. Dann durch Lumen pro Leuchte teilen. Immer aufrunden!

📋 Checkliste: Vor der Umsetzung prüfen

Raumfläche korrekt gemessen?

Bei L-Form in Bereiche unterteilen

Richtigen Lux-Wert gewählt?

DIN-Norm für gewerbliche Räume beachten

Wartungsfaktor berücksichtigt?

1,25× für normale Innenräume

Reflexionsgrad einberechnet?

Bei dunklen Wänden +20-50% Lumen

Leuchten-Lumen überprüft?

Herstellerangaben auf Verpackung prüfen

Anzahl aufgerundet?

4,7 Leuchten = 5 installieren

Verteilung geplant?

Gleichmäßige Abstände für homogenes Licht

Farbtemperatur gewählt?

2700K warm, 4000K neutral, 6500K kalt

Verwandte Inhalte

Verwandte Inhalte