LED-Binning – Farbkonsistenz verstehen

📖 Was ist LED-Binning?

LED-Binning ist der Prozess, bei dem LEDs nach Produktion in Qualitätsklassen(Bins) sortiert werden – nach Helligkeit, Farbtemperatur und Farbort. Da LED-Herstellung nie 100% identische Chips produziert, werden sie kategorisiert.SDCM (MacAdam-Ellipsen) beschreibt die Farbabweichung: Je niedriger, desto konsistenter die Farbe.

Warum ist Binning notwendig?

LED-Chips werden in Massenproduktion hergestellt. Trotz identischer Herstellungsprozesse gibt es natürliche Schwankungen:

Helligkeit

Lichtstrom kann um ±10-20% variieren

Farbtemperatur

Kann um ±200-500K abweichen (z.B. 2700K → 2500-2900K)

Farbort

Exakte Farbe kann leicht variieren (grünlich/rötlich)

Ohne Binning: LEDs in einer Leuchte hätten unterschiedliche Helligkeit und Farbe → sieht unprofessionell aus!
Mit Binning: Nur LEDs aus dem gleichen Bin werden zusammen verbaut → einheitliches Licht.

MacAdam-Ellipsen & SDCM

MacAdam-Ellipsen (benannt nach David MacAdam, 1942) beschreiben dieWahrnehmungsschwelle für Farbunterschiede. Sie werden im CIE-Farbraum dargestellt:

Was ist SDCM?

SDCM = Standard Deviation of Color Matching
Gibt an, wie viele MacAdam-Ellipsen die Farbabweichung beträgt:

  • 1 SDCM (1-Step MacAdam):
    Farbunterschied ist nicht wahrnehmbar (selbst für Experten kaum sichtbar)
  • 2-3 SDCM:
    Farbunterschied ist unter idealen Bedingungen gerade wahrnehmbar
  • 4-5 SDCM:
    Farbunterschied ist deutlich sichtbar (bei direktem Vergleich)
  • 7+ SDCM:
    Farbunterschied ist offensichtlich (unprofessionell!)

Binning-Qualitätsstufen

SDCM-WertQualitätWahrnehmungAnwendung
1 SDCMPremium+Nicht wahrnehmbar, perfekte KonsistenzHigh-End Retail, Museen, TV-Studios
2 SDCMPremiumKaum wahrnehmbar, exzellente KonsistenzLuxushotels, Premium-Shops, Galerien
3 SDCM ⭐Sehr gutUnter idealen Bedingungen gerade wahrnehmbarBüros, Hotels, Einzelhandel (Standard)
4-5 SDCMGutBei direktem Vergleich sichtbarWohnräume, Flure, unkritische Bereiche
6-7 SDCMAkzeptabelDeutlich sichtbar, aber noch tolerierbarLager, Keller, Außenbereiche
>7 SDCMSchlechtOffensichtlich, unprofessionellBillige No-Name LEDs, nicht empfohlen

💡 Empfehlung:

Für professionelle Anwendungen (Büro, Einzelhandel, Hotel): ≤3 SDCM
Für Wohnräume: ≤5 SDCM ist akzeptabel
Premium-Marken (Philips, Osram) bieten oft 3 SDCM, High-End sogar 2 SDCM.

Binning-Parameter im Detail

1. Farbtemperatur-Binning

LEDs werden nach Farbtemperatur sortiert. Typische Bins:

Nominelle CCTBin-Bereich (typisch)Premium Bin
2700K (Warmweiß)2580-2870K (±150K)2650-2750K (±50K)
3000K2870-3220K (±175K)2950-3050K (±50K)
4000K (Neutralweiß)3750-4250K (±250K)3900-4100K (±100K)
6500K (Kaltweiß)6000-7000K (±500K)6300-6700K (±200K)

2. Helligkeits-Binning (Flux Binning)

LEDs werden nach Lichtstrom sortiert:

Beispiel: LED-Chip mit nominell 100 lm @ 350mA

  • Bin P1: 90-95 lm (niedrig)
  • Bin P2: 95-100 lm
  • Bin P3: 100-105 lm (nominal)
  • Bin P4: 105-110 lm (hoch, teurer!)

→ Hersteller verkaufen höhere Bins (P4) teurer, da sie seltener sind.

3. Farbwiedergabe-Binning (CRI)

Auch der CRI (Farbwiedergabeindex) wird gebinnt:

  • CRI 70-75: Budget-LEDs (Lager, Außen)
  • CRI 80-85: Standard (Büro, Wohnraum)
  • CRI 90+: Premium (Einzelhandel, Museum)
  • CRI 95+: High-End (Fotografie, Kunst)

Binning-Codes verstehen

Auf LED-Datenblättern finden Sie oft kryptische Binning-Codes. Beispiel:

Beispiel: Binning-Code "SM273"

S: Farbtemperatur-Gruppe (z.B. S = 2700K)
M: Farbort-Bin (MacAdam-Ellipse, z.B. M = 3 SDCM)
273: Helligkeits-Bin (z.B. 270-300 lm)

→ Codes variieren je nach Hersteller (Cree, Nichia, Samsung, Osram haben eigene Systeme)

Praktische Auswirkungen

❌ Schlechtes Binning (7+ SDCM)

  • • LEDs in gleicher Leuchte haben unterschiedliche Farbe
  • "Fleckiges" Licht (manche LEDs grünlich, andere rötlich)
  • • Bei Ersatz: neue LED passt nicht zu alten
  • Unprofessioneller Eindruck (Einzelhandel, Hotel)

✓ Gutes Binning (≤3 SDCM)

  • Einheitliche Lichtfarbe in allen Leuchten
  • Konsistenz über Jahre (bei Ersatz)
  • Professionelles Erscheinungsbild
  • Keine sichtbaren Farbunterschiede

Binning bei verschiedenen Herstellern

Hersteller/MarkeTypisches SDCMBesonderheiten
Philips (Professional)2-3 SDCMPremium-Binning, "ColorConsistency"
Osram/Ledvance (Pro)3 SDCMGutes Binning, "SubstiTUBE Advanced"
Nichia (High-CRI)2 SDCMExzellente Konsistenz, teuer
Cree (XLamp)3-4 SDCMSehr gute Chips, verschiedene Bins
Samsung (LM301B)3-5 SDCMGutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Budget-Marken (Baumarkt)5-7 SDCMAkzeptabel für Wohnräume
No-Name (China)7-10+ SDCMOft kein Binning, große Streuung

Häufige Fehler & Mythen

  • "Alle 2700K LEDs sind gleich" → NEIN! SDCM macht den Unterschied!
  • "Binning ist unwichtig" → NEIN! Bei mehreren LEDs sieht man Unterschiede!
  • "Billige LEDs sind gleich gut" → NEIN! Oft schlechtes/kein Binning (7+ SDCM)
  • "SDCM steht auf jeder Verpackung" → NEIN! Oft nur im Datenblatt oder gar nicht angegeben
  • "1 SDCM ist Standard" → NEIN! 3 SDCM ist Standard, 1-2 SDCM ist Premium

Tipps für den Kauf

✓ Worauf achten:

  • 1. SDCM-Wert erfragen/prüfen:
    Bei professionellen Anwendungen: ≤3 SDCM verlangen
  • 2. Gleiche Charge kaufen:
    Bei größeren Projekten: Alle LEDs aus gleicher Produktion (gleicher Binning-Code)
  • 3. Reserve kaufen:
    10-20% mehr LEDs kaufen für späteren Ersatz (gleicher Bin!)
  • 4. Markenprodukte bevorzugen:
    Philips, Osram, Nichia haben konsistentes Binning
  • 5. Datenblatt prüfen:
    Seriöse Hersteller geben SDCM an (wenn nicht angegeben: wahrscheinlich >5 SDCM)

Verwandte Themen

📚 Technische Grundlagen

  • CIE 1931: Farbraum-Standard für Farbmessung
  • MacAdam (1942): Entdeckung der Wahrnehmungsschwellen (Ellipsen)
  • ANSI C78.377: Standard für LED-Farbtemperatur-Bins (USA)
  • IEC 60081: Internationale Norm für Leuchtmittel-Spezifikationen

Letzte Aktualisierung: November 2025

Stand der Technik: 1-2 SDCM ist state-of-the-art, aber teuer.