Schutzklassen I, II, III: Welche wo?

⚡ Interaktive Auswahlhilfe

Schutzklassen nach DIN EN 61140 (VDE 0140-1) definieren, wie elektrische Betriebsmittel gegen elektrischen Schlag geschützt sind. Wählen Sie Ihren Einsatzort für eine sofortige Empfehlung der richtigen Schutzklasse und IP-Schutzart.

🏠

Welche Schutzklasse wo?

Wählen Sie Ihren Einsatzort für eine sofortige Empfehlung

💡 Tipp: Klicken Sie auf einen Einsatzort, um die empfohlene Schutzklasse und IP-Schutzart zu erhalten.

Schutzklassen im Vergleich

Verstehen Sie die Unterschiede zwischen Schutzklasse I, II und III auf einen Blick

Schutzklasse I

Basisisolierung + Schutzleiter (PE)

Stecker
3-polig (Schuko mit PE)
Schutzleiter (PE)
✓ Erforderlich
✓ Vorteile:
  • Bewährte und sichere Technologie
  • Bei Isolationsfehler: Sicherung löst aus
  • Geeignet für hohe Leistungen
📍 Typische Anwendungen:
Fest installierte LeuchtenHaushaltsgeräte mit MetallgehäuseIndustrielle Betriebsmittel
💡 Beispiele:
  • Deckenleuchten
  • Waschmaschine
  • Kühlschrank

Schutzklasse II

Doppelte oder verstärkte Isolierung

Stecker
2-polig (ohne PE)
Schutzleiter (PE)
✗ Nicht erforderlich
✓ Vorteile:
  • Kein Schutzleiter erforderlich
  • Sicherer bei Feuchträumen
  • Auch bei defektem PE sicher
📍 Typische Anwendungen:
Badezimmer (Zone 2-3)AußenbeleuchtungTischlampen
💡 Beispiele:
  • LED-Leuchten
  • Tischlampen
  • Badezimmer-Leuchten

Schutzklasse III

Schutzkleinspannung SELV/PELV

Stecker
Spezialstecker oder fest verdrahtet
Schutzleiter (PE)
✗ Nicht erforderlich
✓ Vorteile:
  • Höchste Sicherheit
  • Keine gefährliche Spannung
  • Auch bei Isolationsfehlern sicher
📍 Typische Anwendungen:
Badezimmer Zone 0-1Unterwasserbeleuchtung12V/24V LED-Systeme
💡 Beispiele:
  • 12V LED-Streifen
  • 24V LED-Spots
  • Unterwasser-Strahler
MerkmalKlasse IKlasse IIKlasse III
Symbol
IsolierungBasisisolierung + Schutzleiter (PE)Doppelte oder verstärkte IsolierungSchutzkleinspannung SELV/PELV
Schutzleiter✓ Ja✗ Nein✗ Nein
Stecker3-polig (Schuko mit PE)2-polig (ohne PE)Spezialstecker oder fest verdrahtet
Spannung230V230VMax. 50V AC / 120V DC
HauptvorteilBewährte und sichere TechnologieKein Schutzleiter erforderlichHöchste Sicherheit

🎯 Welche Schutzklasse wann?

Klasse I → Wenn...
  • • Trockener Innenraum
  • • Fest installiert
  • • Schutzleiter vorhanden
  • • Standard-Haushalt
Klasse II → Wenn...
  • • Feuchträume
  • • Außenbereich
  • • Mobil/flexibel
  • • Kein PE verfügbar
Klasse III → Wenn...
  • • Nassbereiche
  • • Badezimmer Zone 0-1
  • • Unterwasser
  • • Maximale Sicherheit

Badezimmer-Zonen nach VDE 0100-701

Im Badezimmer gelten besondere Schutzmaßnahmen. Die Zonen 0-3 definieren, welche Schutzklassen und IP-Schutzarten wo zulässig sind.

Badezimmer-Zonen Visualisierung

Zone 0
Zone 1
Zone 2
60cm
Zone 3
Restlicher
Raum

💡 Klicken Sie auf eine Zone für Details

⚠️

Wichtige Sicherheitshinweise

  • Zone 0: Ausschließlich Schutzklasse III (max. 12V AC) zulässig!
  • Zone 1: Nur Schutzklasse III empfohlen, niemals Schutzklasse I!
  • Fehlerstromschutzschalter (RCD/FI): In allen Badezimmer-Stromkreisen Pflicht!
  • Installation: Nur durch qualifizierte Elektriker nach VDE 0100-701!

Technische Details & Normative Grundlagen

Für technisch Interessierte: Verstehen Sie die normativen Anforderungen und wissenschaftlichen Grundlagen nach DIN EN 61140.

🛡️ Was sind Schutzklassen?

Schutzklassen klassifizieren elektrische Betriebsmittel nach der Art ihrer Schutzmaßnahmen gegen direktes und indirektes Berührenspannungsführender Teile. Sie regeln:

  • Isolierung: Basisisolierung, doppelte oder verstärkte Isolierung
  • Schutzleiter: Ob und wie ein Schutzleiter (PE) verwendet wird
  • Spannung: Bei welcher Betriebsspannung das Gerät arbeitet
  • Fehlerfall: Wie bei einem Isolationsfehler Sicherheit gewährleistet wird

⚠️ Wichtig: Nicht verwechseln mit IP-Schutzarten(Schutz gegen Wasser/Staub) – das sind zwei verschiedene Klassifizierungen!

📋 Relevante Normen

  • DIN EN 61140 (VDE 0140-1): Schutz gegen elektrischen Schlag – Gemeinsame Anforderungen für Anlagen und Betriebsmittel
  • DIN VDE 0100-410: Errichten von Niederspannungsanlagen – Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag
  • DIN EN 61558-2-6: Sicherheitstransformatoren und Sicherheitstrenntransformatoren für Schutzklasse III
  • IEC 60417: Symbole zur Kennzeichnung von Schutzklassen

Überblick: Die Schutzklassen im Vergleich

SchutzklasseSymbolSchutzprinzipSteckerStatus
Klasse 0Nur Basisisolierung2-poligNicht zulässig
Klasse IBasisisolierung + Schutzleiter (PE)3-polig (Schuko)Standard
Klasse IIDoppelte/verstärkte Isolierung2-polig (Euro-Stecker)Standard
Klasse IIISchutzkleinspannung (SELV/PELV ≤ 50 V AC)Spezial/festSpezial

⚠️ Schutzklasse 0 – Historisch, heute nicht mehr zulässig

Bei Schutzklasse 0 bestand neben der Basisisolierung kein besonderer Schutz gegen elektrischen Schlag. Es gab keine Verbindung zum Schutzleiter. Dieser Standard ist in Deutschland und der EU seit den 1970er Jahren nicht mehr zulässig und wird nicht mehr verwendet. Alte Geräte ohne Schutzleiter (z.B. Altbau-Lampen mit 2-poligem Stecker ohne doppelte Isolierung) sollten ersetzt werden.

Schutzklasse I: Schutzleiter

⏚ Schutzklasse I – Schutz durch Schutzleiter

Grundprinzip:

  • Basisisolierung: Grundlegende Isolierung der spannungsführenden Teile
  • Schutzleiter (PE): Alle leitfähigen, berührbaren Gehäuseteile sind mit dem Schutzleiter verbunden
  • Erdung: Der Schutzleiter ist mit dem Erdpotential der Gebäudeinstallation verbunden
  • Fehlerschutz: Bei Isolationsfehler fließt der Fehlerstrom über PE zur Erde → Schutzeinrichtung löst aus

Funktionsweise im Detail

✓ Normalbetrieb

  • Isolierung intakt: Spannungsführende Teile sind vollständig isoliert
  • Gehäuse spannungsfrei: Metallteile haben Erdpotential (0 V)
  • PE-Verbindung: Schutzleiter (grün-gelb) verbindet Gehäuse mit Erde
  • Sicher: Kein Stromfluss bei Berührung des Gehäuses

⚠️ Fehlerfall (Isolationsdefekt)

  1. Fehler: Phase (L, 230 V) berührt Gehäuse
  2. Kurzschluss: Sehr hoher Fehlerstrom (mehrere Ampere) fließt über PE zur Erde
  3. Auslösung: Leitungsschutzschalter (LS) oder RCD (FI-Schutzschalter) schaltet ab
  4. Abschaltzeit: Typisch < 0,2 Sekunden (bei RCD 30 mA: < 0,03 s)
  5. Resultat: Person bleibt geschützt, kein gefährlicher Stromschlag

Technische Details zum Schutzleiter

Farbkennzeichnung:Grün-Gelb (gn-ge)
Bezeichnung:PE (Protective Earth) oder Schutzleiter
Stecker-Kontakt:Voreilend (erste Verbindung beim Einstecken, letzte beim Herausziehen)
Querschnitt:Mindestens so groß wie Außenleiter (typ. 1,5 mm² bei Geräteleitungen)
Widerstand:Möglichst niedrig (< 0,3 Ω bei ortsveränderlichen Geräten nach DGUV V3)
Prüfung:Regelmäßige Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 (vormals BGV A3)

Typische Anwendungen von Schutzklasse I

🏠 Haushaltsgroßgeräte

  • Waschmaschine, Geschirrspüler
  • Kühlschrank, Gefrierschrank
  • Elektroherd, Backofen
  • Mikrowelle (mit Metallgehäuse)
  • Dampfreiniger, Dampfbügeleisen

💡 Beleuchtung

  • Standleuchten mit Metallgehäuse
  • Deckenleuchten (Metallgehäuse)
  • Industriestrahler
  • Außenleuchten aus Metall
  • Hallenbeleuchtung

🔧 Werkzeuge & Maschinen

  • Bohrmaschine, Winkelschleifer
  • Tischkreissäge, Fräsmaschine
  • Industriemaschinen
  • Werkstattausrüstung
  • Schweißgeräte, Kompressoren

💻 Büro & IT

  • Desktop-Computer (ATX-Netzteile)
  • Monitore (mit Metallrahmen)
  • Drucker, Kopierer, Scanner
  • Server-Racks, Netzwerkgeräte
  • Professionelle AV-Technik

⚠️ Sicherheitshinweise Schutzklasse I

  • Niemals den Schutzleiter unterbrechen oder entfernen! Ohne funktionierenden Schutzleiter besteht Lebensgefahr bei Isolationsdefekt.
  • Kein Adapterstecker: Nie einen 3-poligen Stecker mit Adapter auf 2-polige Steckdose betreiben – der Schutz entfällt komplett!
  • Regelmäßige Prüfung: Ortsveränderliche Geräte müssen nach DGUV Vorschrift 3 regelmäßig geprüft werden (Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand).
  • Reparaturen: Nur durch Elektrofachkräfte – die PE-Verbindung muss funktionsfähig bleiben.
  • Verlängerungskabel: Nur 3-adrige Verlängerungskabel mit Schutzkontakt verwenden.

Schutzklasse II: Doppelte Isolierung

⧈ Schutzklasse II – Schutz durch doppelte/verstärkte Isolierung

Grundprinzip:

  • Doppelte Isolierung: Zwei voneinander unabhängige Isolationsschichten zwischen aktiven und berührbaren Teilen
  • Alternative: Verstärkte Isolierung – Eine einzelne Isolierung mit gleichwertiger Dicke und Durchschlagsfestigkeit
  • Kein Schutzleiter erforderlich: Berührbare Teile können nicht unter Spannung geraten
  • Symbol: Doppeltes Quadrat (⧈) auf dem Typenschild
  • Berührstrom: Max. 0,25 mA (AC) bzw. 0,5 mA bei leitfähigen Oberflächen nach DIN EN 61140

Aufbau der doppelten Isolierung

230 VSpannungBasisisolierungSchutz-isolierungBerührbares Gehäuse

1. Basisisolierung (innere Schicht)

  • Umgibt direkt die spannungsführenden Teile
  • Entspricht der Isolierung bei Schutzklasse I
  • Schutz im Normalbetrieb
  • Mindestdicke nach DIN EN 60664-1

2. Schutzisolierung (äußere Schicht)

  • Zusätzliche, unabhängige Isolationsbarriere
  • Greift, wenn Basisisolierung versagt
  • Berührbare Teile bleiben spannungsfrei
  • Mechanisch und elektrisch belastbar

➔ Zwei voneinander unabhängige Fehler notwendig für einen Durchschlag zum Gehäuse

Verstärkte Isolierung als Alternative

Verstärkte Isolierung ist eine einzelne Isolationsschicht, die mechanisch und elektrisch gleichwertig zur doppelten Isolierung ist. Sie wird häufig bei kompakten Geräten verwendet.

  • Vorteil: Platzsparend, weniger Materialeinsatz, einfachere Fertigung
  • Anforderung: Höhere Durchschlagsfestigkeit als Basisisolierung (mind. 4 kV Prüfspannung)
  • Prüfung: Strengere Prüfspannungen bei der Typprüfung (doppelte Prüfspannung)
  • Material: Hochwertige Isolierstoffe mit guter Alterungsbeständigkeit

Typische Anwendungen von Schutzklasse II

📱 Ladegeräte & Netzteile

  • Smartphone-Ladegeräte
  • Laptop-Netzteile
  • USB-Netzteile
  • LED-Treiber, LED-Netzteile
  • Tablet-Charger, Powerbanks

🏠 Haushaltskleingeräte

  • Föhn, Glätteisen, Rasierer
  • Elektrozahnbürste
  • Radio, Uhrenradio
  • Ventilatoren (Kunststoffgehäuse)
  • Wasserkocher (isoliertes Gehäuse)

💡 Beleuchtung

  • LED-Lampen (Retrofit, E27/E14)
  • Leuchten mit Kunststoffgehäuse
  • Tischleuchten (isoliert)
  • Tragbare Arbeitsleuchten
  • Nachttischlampen, Leseleuchten

🔧 Werkzeuge

  • Akkuschrauber-Ladegeräte
  • Heißklebepistolen
  • Schleifmaschinen (isoliertes Gehäuse)
  • Kleinwerkzeuge mit Kunststoffgehäuse
  • Lötkolben (isoliert)

Vorteile von Schutzklasse II

  • ✓ Kein Schutzleiter erforderlich → Einfachere Installation, 2-poliger Euro-Stecker ausreichend
  • ✓ Betrieb an 2-poligen Steckdosen → Auch in Altbauten ohne Erdung sicher einsetzbar
  • ✓ Hohe Sicherheit → Zwei unabhängige Fehler notwendig für Gefährdung
  • ✓ Mobilität → Leichtere, flexiblere Geräte ohne Schutzkontakt-Stecker
  • ✓ Niedrige Kosten → Keine Schutzleiterprüfung notwendig, einfachere Wartung
  • ✓ Universell einsetzbar → Weltweite Kompatibilität mit verschiedenen Steckdosensystemen

Schutzklasse III: Schutzkleinspannung

⧉ Schutzklasse III – Schutz durch Kleinspannung

Grundprinzip:

  • Schutzkleinspannung: Betrieb mit ungefährlich niedriger Spannung (≤ 50 V AC / ≤ 120 V DC)
  • Sichere Trennung: Stromversorgung über Sicherheitstransformator oder andere sichere Quelle
  • SELV (Safety Extra Low Voltage): Keine Verbindung zur Erde oder zu anderen Stromkreisen
  • PELV (Protective Extra Low Voltage): Mit Erdverbindung, aber sichere Kleinspannung
  • Kein Schutzleiter nötig: Die Spannung ist zu niedrig für gefährliche Körperströme

Kleinspannungssysteme im Detail

TypBedeutungMax. SpannungErdungSchutzklasse
SELVSafety Extra Low Voltage
(Sicherheitskleinspannung)
AC: ≤ 50 V
DC: ≤ 120 V
Keine Erdverbindung
Potentialfrei
III
PELVProtective Extra Low Voltage
(Schutzkleinspannung)
AC: ≤ 50 V
DC: ≤ 120 V
Mit Erdverbindung
oder geerdeten Teilen
III
FELVFunctional Extra Low Voltage
(Funktionskleinspannung)
AC: ≤ 50 V
DC: ≤ 120 V
Keine sichere Trennung
vom Netz
Nicht III!
Kein Schutz

⚠️ Wichtig: FELV ist KEINE Schutzklasse III!

FELV (Functional Extra Low Voltage) ist zwar eine Kleinspannung, hat aberkeine sichere Trennung vom Netz (z.B. durch einfache Transformatoren oder elektronische Spannungsregler ohne Trennung). Sie dient nur funktionalen Zwecken und bietet keinen Schutz gegen elektrischen Schlag. Nur SELV und PELV mit sicherer Trennung gelten als Schutzklasse III!

Grenzwerte für Schutzkleinspannung

Spannungsgrenzen nach DIN VDE 0100-410

UmgebungsbedingungMax. AC (Wechselspannung)Max. DC (Gleichspannung)
Normale trockene Umgebung50 V120 V
Feuchte oder nasse Bereiche25 V60 V
Besondere Bereiche (z.B. Schwimmbäder)12 V30 V

Hinweis: Die Spannungsgrenzen gelten für den ungünstigsten Betriebszustand (Leerlauf). Bei höheren Spannungen gelten andere Schutzmaßnahmen.

Typische Anwendungen von Schutzklasse III

💡 12V/24V LED-Beleuchtung

  • LED-Streifen (12V/24V DC)
  • LED-Einbaustrahler (12V AC/DC)
  • Unterbauleuchten (Küche)
  • Vitrinenbeleuchtung
  • Indirektes Licht, Cove-Lighting

🏊 Feuchträume & Nassbereiche

  • Schwimmbad-Unterwasserleuchten (12V)
  • Sauna-Beleuchtung
  • Garten-/Teichbeleuchtung (12V)
  • Springbrunnen-Beleuchtung
  • Badezimmer-Akzentlicht (Zone 1/2)

🔋 Mobile Systeme

  • Camping-Beleuchtung (12V)
  • Wohnmobil-/Caravan-Elektrik
  • Solar-Beleuchtungssysteme
  • Batteriebetriebene Geräte
  • KFZ-Innenbeleuchtung

🏥 Sicherheitskritische Bereiche

  • Medizintechnik (Patientennähe)
  • Kinderspielzeug mit Netzanschluss
  • Halogen-Niedervolt-Strahler (12V)
  • Laborausstattung
  • Spezielle Arbeitsleuchten für Feuchträume

Sicherheitstransformator für SELV/PELV

Anforderungen an Sicherheitstransformatoren

Für Schutzklasse III muss die Kleinspannung über einen Sicherheitstransformatornach DIN EN 61558-2-6 erzeugt werden. Symbol: ⧈ mit ⧉ (doppeltes Quadrat kombiniert mit dreifachem Quadrat).

Technische Merkmale:
  • Verstärkte/doppelte Isolierung zwischen Primär- und Sekundärseite
  • Sichere Trennung vom Netz (min. 4 mm Kriechstrecke bei 250 V)
  • Ausgangsspannung ≤ 50 V AC oder ≤ 120 V DC
  • Maximale Ausgangsleistung begrenzt (typ. 50 VA bis 200 VA)
  • Kurzschlussfest und überlastgeschützt
  • Thermische Absicherung gegen Überhitzung
  • Elektrische Festigkeit mind. 4 kV (1 Minute Prüfung)
Zulässige Stromquellen für SK III:
  • ✓ Sicherheitstransformatoren nach DIN EN 61558-2-6
  • ✓ Batterien und Akkumulatoren (galvanisch getrennt)
  • ✓ Photovoltaikanlagen (bei Kleinspannung, galvanisch getrennt)
  • ✓ Motorgeneratoren mit entsprechender Trennung
  • ✗ Normale Transformatoren (keine sichere Trennung)
  • ✗ Vorwiderstände oder Kondensatoren zur Spannungsreduktion
  • ✗ Elektronische Stromversorgungen ohne sichere Trennung

💡 Praktische Hinweise zu Sicherheitstransformatoren

  • Kennzeichnung prüfen: Sicherheitstransformator muss Symbol ⧈ ⧉ und Norm DIN EN 61558-2-6 tragen
  • Leistung beachten: Transformator muss für angeschlossene Last ausreichend dimensioniert sein
  • Montageort: Zugänglicher, gut belüfteter Ort, vor Nässe geschützt (außer bei entsprechendem IP-Schutz)
  • Leitungslängen: Sekundärseitige Leitungen möglichst kurz halten (Spannungsabfall, Verlustleistung)
  • Mehrfachanschluss: Nicht mehrere Verbraucher parallel ohne Dimensionierung des Trafos

Detaillierter Vergleich der Schutzklassen

MerkmalKlasse IKlasse IIKlasse III
Spannung230 V AC / 400 V AC230 V AC / 400 V AC≤ 50 V AC / ≤ 120 V DC
SchutzprinzipBasisisolierung + SchutzleiterDoppelte/verstärkte IsolierungSchutzkleinspannung (SELV/PELV)
Schutzleiter (PE)✓ Ja (zwingend)✗ Nein✗ Nein
Stecker3-polig (Schuko)2-polig (Euro)Spezialstecker / fest verdrahtet
GehäusematerialMetall typischKunststoff bevorzugtBeliebig
TransformatorNicht erforderlichNicht erforderlichSicherheitstrafo nötig
Schutz bei FehlerPE führt Strom ab
→ LS/RCD schaltet
2. Isolierung verhindert
Kontakt
Spannung ungefährlich
niedrig
SicherheitsniveauHoch (mit RCD: sehr hoch)Sehr hochSehr hoch
Prüfung erforderlichJa (PE-Widerstand)Nein (nur Isolation)Trafo prüfen
Typische LeistungUnbegrenzt (bis kW-Bereich)Bis einige kWBegrenzt (typ. < 200 W)
KostenMittelNiedrig-MittelHöher (Trafo + Verkabelung)
EinsatzgebietHaushalt, Industrie, WerkzeugeMobile Geräte, KleingeräteNassbereiche, Sicherheitsbereiche

Schutzklasse vs. IP-Schutzart – Wichtiger Unterschied!

⚠️ Häufiger Fehler: Verwechslung von Schutzklasse und Schutzart!

Viele verwechseln Schutzklasse (elektrischer Schlag) mit IP-Schutzart (Wasser/Staub). Das sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Klassifizierungen:

KlassifizierungSchutz gegen...BeispielNorm
Schutzklasse
(I, II, III)
Elektrischen Schlag
bei Berührung unter Spannung stehender Teile
Klasse II = doppelte Isolierung
Klasse I = Schutzleiter
DIN EN 61140
(VDE 0140-1)
IP-Schutzart
(z.B. IP65)
Eindringen von
Fremdkörpern, Berührung, Wasser
IP65 = staubdicht + strahlwasserfest
IP44 = spritzwassergeschützt
DIN EN 60529
(VDE 0470-1)

💡 Beispiel-Kombination

Eine LED-Außenleuchte kann gleichzeitig Schutzklasse II(doppelte Isolierung gegen Stromschlag) UND IP65 (staubdicht + strahlwassergeschützt) sein. Beide Angaben sind unabhängig voneinander und bezeichnen unterschiedliche Schutzeigenschaften!

Entscheidungshilfe: Die richtige Schutzklasse wählen

🔌 Wählen Sie Schutzklasse I wenn:

  • Metallgehäuse: Gerät hat leitfähiges Gehäuse (Kühlschrank, Waschmaschine, Metallleuchte)
  • Hohe Leistung: Mehrere hundert Watt bis kW-Bereich erforderlich
  • Stationäre Installation: Gerät wird fest montiert oder steht dauerhaft an einem Platz
  • Professionelle Nutzung: Werkstatt, Industrie, gewerblicher Einsatz
  • Erdung vorhanden: Schuko-Steckdosen mit Schutzleiter installiert
  • Beispiel: Elektroherd, Industriemaschine, Desktop-PC, Metallleuchte, Waschmaschine

📱 Wählen Sie Schutzklasse II wenn:

  • Mobilität: Gerät wird häufig bewegt oder ist tragbar
  • Keine Erdung: Altbau mit 2-poligen Steckdosen ohne Schutzleiter
  • Einfache Installation: Plug-and-Play ohne Erdungsanforderung
  • Kunststoffgehäuse: Nicht-leitfähiges Gehäusematerial
  • Kleingeräte: Haushalt, mobile Werkzeuge, Ladegeräte, Netzteile
  • Beispiel: Föhn, Smartphone-Ladegerät, LED-Retrofit-Lampe, Schleifmaschine mit Kunststoffgehäuse

⚡ Wählen Sie Schutzklasse III wenn:

  • Höchste Sicherheit: Absolut berührungssicher, auch bei Defekt
  • Feuchte/nasse Umgebung: Badezimmer, Pool, Sauna, Garten, Teich
  • Sicherheitsbereich: Kinder, medizinische Patientennähe, öffentliche Bereiche mit Wasserkontakt
  • 12V/24V-System: Niedervolt-System bereits vorhanden oder geplant (z.B. Wohnmobil)
  • Besondere Vorschriften: Schwimmbad-Norm DIN VDE 0100-702, medizinische Bereiche
  • Beispiel: Pool-Unterwasserleuchte (12V), 12V LED-Strip, Halogen-Niedervolt, Medizingeräte in Patientennähe

💡 Praktische Tipps zur Auswahl

  • Kombination möglich: In einer Installation können verschiedene Schutzklassen parallel eingesetzt werden
  • Altbau-Sanierung: Bei fehlendem Schutzleiter bevorzugt Schutzklasse II verwenden oder Erdung nachrüsten
  • Neuinstallation: Schutzklasse I Standard, wo Erdung verfügbar ist und Metallgehäuse verwendet werden
  • Außenbereich: Schutzklasse I oder II mit passender IP-Schutzart kombinieren (mind. IP44)
  • Feuchträume: Schutzklasse III bevorzugen oder Schutzklasse II mit RCD (FI-Schutzschalter 30 mA)
  • Badezimmer-Zonen: Zone 0 (Wanneninnenraum): nur Schutzklasse III (12V); Zone 1/2: Schutzklasse II oder III

Kennzeichnung und Symbole

Schutzklasse I

Erdungssymbol
(Schutzleiter)

Symbol nach IEC 60417-5019

Schutzklasse II

Doppel-Quadrat
(doppelte Isolierung)

Symbol nach IEC 60417-5172

Schutzklasse III

Dreifaches Quadrat
(Schutzkleinspannung)

Symbol nach IEC 60417-5180

Wo finde ich die Schutzklasse meines Geräts?

  • Typenschild: Auf der Rückseite oder Unterseite des Geräts, meist neben CE-Kennzeichnung
  • Bedienungsanleitung: Im Kapitel „Technische Daten" oder „Sicherheitshinweise"
  • Stecker: 3-poliger Schuko-Stecker deutet auf Schutzklasse I hin, 2-poliger Euro-Stecker auf Klasse II
  • Produktdatenblatt: Vom Hersteller online verfügbar (Suche nach Modellnummer)
  • Elektriker: Bei Unsicherheit von Elektrofachkraft prüfen lassen

Prüfung und Wartung nach Schutzklasse

SchutzklassePrüfungIntervallPrüfkriterien
Klasse I
  • Schutzleiterprüfung
  • Isolationswiderstand
  • Schutzleiterwiderstand
Gewerblich: 6-12 Monate
Privat: empfohlen
RPE < 0,3 Ω
Riso > 1 MΩ
Klasse II
  • Isolationswiderstand
  • Sichtprüfung Gehäuse
Gewerblich: 12-24 Monate
Privat: optional
Riso > 2 MΩ
Gehäuse unbeschädigt
Klasse III
  • Transformator-Prüfung
  • Ausgangsspannung
  • Sichere Trennung
Gewerblich: 12-24 Monate
Schwimmbäder: 6 Monate
Uaus ≤ 50 V AC
Trennung 4 kV (1 min)

⚡ Wichtig: DGUV Vorschrift 3 (vormals BGV A3)

In gewerblichen Betrieben ist die regelmäßige Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3 Pflicht. Die Prüffristen richten sich nach Gefährdungsbeurteilung:

  • Baustellen: 3 Monate
  • Gewerbliche Nutzung: 6 Monate
  • Büro/normale Umgebung: 12 Monate
  • Geräte mit geringer Nutzung: 24 Monate

✓ Zusammenfassung: Schutzklassen kompakt

  • Schutzklasse 0: Nur Basisisolierung – in Deutschland und EU seit 1970er Jahren nicht mehr zulässig
  • Schutzklasse I (⏚): Schutzleiter (PE) + Basisisolierung → 230V Geräte mit Metallgehäuse, Schuko-Stecker
  • Schutzklasse II (⧈): Doppelte/verstärkte Isolierung, kein PE → mobile Geräte, Kleingeräte, Euro-Stecker
  • Schutzklasse III (⧉): Schutzkleinspannung (SELV/PELV) ≤ 50V AC / ≤ 120V DC → Feuchträume, höchste Sicherheit
  • Wichtiger Unterschied: Schutzklasse (elektrischer Schlag) ≠ IP-Schutzart (Wasser/Staub)!
  • Symbole: Nach IEC 60417 genormt, auf Typenschild erkennbar
  • Norm: DIN EN 61140 (VDE 0140-1) regelt alle Schutzklassen
  • Prüfung: Gewerblich nach DGUV V3 verpflichtend, privat empfohlen

Weiterführende Informationen

Rechtlicher Hinweis: Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen in Deutschland nur von qualifizierten Elektrofachkräften nach DIN VDE 0105-100 durchgeführt werden. Bei Unsicherheit bezüglich der Schutzklasse oder bei Installations- und Reparaturarbeiten konsultieren Sie immer einen zugelassenen Elektrofachbetrieb. Die Sicherheit hat oberste Priorität! Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine fachgerechte Beratung oder Ausbildung.