Gleichmäßigkeit (U0)

Verhältnis von minimaler zu durchschnittlicher Beleuchtungsstärke

Was ist Gleichmäßigkeit?

Gleichmäßigkeit (U₀) beschreibt, wie gleichmäßig das Lichtin einem Raum verteilt ist. Sie ist das Verhältnis von minimaler zu mittlerer Beleuchtungsstärke.

U₀ = Emin / Eavg
Emin = Minimale Beleuchtungsstärke (Lux)
Eavg = Durchschnittliche Beleuchtungsstärke (Lux)
U₀ = Gleichmäßigkeit (0,0 bis 1,0)

📊 Bewertung der Gleichmäßigkeit

U₀ < 0,4❌ Schlecht

Starke Hell-Dunkel-Kontraste, ungleichmäßige Ausleuchtung, unangenehm für die Augen, nicht DIN-konform

U₀ = 0,4 - 0,6△ Akzeptabel

DIN-Mindestanforderung für Arbeitsplätze (≥ 0,4), sichtbare aber akzeptable Helligkeitsunterschiede

U₀ = 0,6 - 0,8✓ Gut

Gute Gleichmäßigkeit, angenehm für Augen, empfohlen für Büros und Wohnräume

U₀ > 0,8✓✓ Sehr gut

Sehr gleichmäßige Ausleuchtung, ideal für Bildschirmarbeitsplätze, Museen, Ausstellungen

🏢 DIN EN 12464-1 Mindestanforderungen

BereichMinimale Gleichmäßigkeit U₀Erklärung
Arbeitsbereich (Sehaufgabe)≥ 0,70Hohe Anforderung für Schreibtisch, Werkbank
Umgebungsbereich≥ 0,40Bereich um Arbeitsplatz herum (min. 0,5 m)
Verkehrswege (Flure)≥ 0,40Ausreichend für Orientierung und Sicherheit
Industrielle Sehaufgabe≥ 0,60Präzisionsarbeit, Qualitätskontrolle

✓ Hohe Gleichmäßigkeit (U₀ > 0,7)

  • • Ermüdungsfreies Sehen
  • • Keine störenden Schatten
  • • Angenehme Raumatmosphäre
  • • Bessere Konzentration
  • • Höhere Produktivität
  • • Unfallvermeidung

✗ Niedrige Gleichmäßigkeit (U₀ < 0,4)

  • • Ständige Augenadaptation nötig
  • • Schnelle Ermüdung
  • • Kopfschmerzen möglich
  • • Reduzierte Sehleistung
  • • Fehlerquote steigt
  • • Sturzgefahr in dunklen Bereichen

💡 Beispielrechnung

Büroraum-Messung (9 Messpunkte):
480 lx
520 lx
490 lx
510 lx
550 lx
530 lx
470 lx
500 lx
480 lx
Berechnung:
  • • Emin = 470 lx
  • • Eavg = 503 lx
  • • U₀ = 470 / 503
Ergebnis:
U₀ = 0,93
✓✓ Sehr gleichmäßig!
Weit über DIN-Mindestanforderung (0,7)

🔧 Gleichmäßigkeit verbessern

Leuchten-Anordnung:

  • Mehr Leuchten: Statt 4 große → 8 kleine Leuchten
  • Gleichmäßiger Abstand: Raster-Anordnung
  • Wandabstand beachten: 0,5-1,0 m zur Wand
  • Pendelleuchten: Nicht zu hoch aufhängen

Leuchten-Typ:

  • Breitstrahlend: 120° Abstrahlwinkel
  • Indirekte Beleuchtung: Über Decke reflektiert
  • Diffusoren verwenden: Streuscheiben
  • Hellere Oberflächen: Reflektieren mehr Licht

📏 Messung der Gleichmäßigkeit

  1. 1.
    Messraster festlegen: Raumfläche in gleichmäßiges Raster teilen (z.B. 3×3 oder 5×5 Punkte)
  2. 2.
    Lux-Werte messen: Mit Luxmeter an jedem Rasterpunkt auf Arbeitshöhe (z.B. 75 cm)
  3. 3.
    Minimum finden: Niedrigsten Messwert identifizieren (Emin)
  4. 4.
    Durchschnitt berechnen: Mittelwert aller Messungen (Eavg)
  5. 5.
    U₀ berechnen: U₀ = Emin / Eavg

Gleichmäßigkeit nach Raumtyp

RaumtypMin. U₀ (DIN)EmpfohlenBegründung
Büro (Bildschirmarbeit)≥ 0,700,75-0,85Hohe Anforderung, reduziert Ermüdung
Industriehalle (Produktion)≥ 0,600,65-0,75Präzisionsarbeit, Sicherheit
Verkaufsfläche / Laden≥ 0,400,50-0,70Akzente erlaubt, aber Grundhelligkeit wichtig
Schule / Klassenzimmer≥ 0,600,70-0,80Konzentration, lange Aufenthaltsdauer
Krankenhaus / Behandlungsraum≥ 0,700,80-0,90Medizinische Präzision erforderlich
Lagerhalle / Logistik≥ 0,400,50-0,60Orientierung, Sicherheit bei Staplerverkehr
Flure / Verkehrswege≥ 0,400,40-0,50Ausreichend für Orientierung
Wohnzimmer (privat)-0,30-0,60Atmosphäre durch Kontraste erwünscht
Galerie / Museum-0,20-0,50Akzentbeleuchtung, Kontraste gewollt

💡 Hinweis:

Private Wohnräume unterliegen KEINER DIN-Norm. Hier sind auch niedrigere U₀-Werte akzeptabel, da Atmosphäre und Akzentbeleuchtung oft wichtiger sind als gleichmäßige Ausleuchtung.

Praxisbeispiele: Gute vs Schlechte Gleichmäßigkeit

❌ Schlechte Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,25)

Büro mit 1 zentraler Deckenleuchte:

150 lx
320 lx
180 lx
280 lx
600 lx
290 lx
160 lx
310 lx
170 lx

Berechnung: U₀ = 150 / 607 = 0,25

Probleme:

  • • Extreme Hell-Dunkel-Kontraste
  • • Ecken viel zu dunkel (150 lx statt 500 lx)
  • • Mitte viel zu hell (600 lx)
  • • Augen müssen ständig adaptieren
  • • Schnelle Ermüdung
  • • DIN-Anforderung NICHT erfüllt

✓ Gute Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,78)

Gleiches Büro mit 6 Leuchten (Raster):

440 lx
510 lx
450 lx
520 lx
550 lx
530 lx
460 lx
500 lx
470 lx

Berechnung: U₀ = 440 / 503 = 0,87

Vorteile:

  • ✓ Gleichmäßige Helligkeit (440-550 lx)
  • ✓ Kleine Schwankungen (±10%)
  • ✓ Kein ständiges Adaptieren nötig
  • ✓ Ermüdungsfreies Arbeiten
  • ✓ DIN-Anforderung übertroffen (0,87 > 0,70)
  • ✓ Angenehme Raumatmosphäre

📊 Vergleich der Kennzahlen:

Leuchtenanzahl:

❌ Schlecht: 1 Leuchte

✓ Gut: 6 Leuchten

Gleichmäßigkeit:

❌ U₀ = 0,25 (nicht DIN-konform)

✓ U₀ = 0,87 (DIN übertroffen)

Stromverbrauch:

1× 100W = 100W

6× 18W = 108W (+8W für bessere Qualität)

❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist ein guter U₀-Wert?

Für Arbeitsplätze: U₀ ≥ 0,70 nach DIN EN 12464-1
Optimal: U₀ zwischen 0,75 und 0,85 (sehr gleichmäßig, aber nicht steril)
Akzeptabel: U₀ ≥ 0,60 (für weniger kritische Bereiche)

Faustregel: Je höher der U₀-Wert, desto gleichmäßiger die Beleuchtung. Werte über 0,9 sind extrem gleichmäßig, aber aufwendig zu erreichen.

Wie messe ich die Gleichmäßigkeit selbst?

Sie benötigen: Ein Luxmeter (ab ~30€ oder Smartphone-App)

  1. Raum in 9 Bereiche einteilen (3×3 Raster)
  2. Lux-Werte in jeder Ecke + Mitte auf Arbeitshöhe (75 cm) messen
  3. Niedrigsten Wert (Emin) notieren
  4. Durchschnitt aller 9 Werte berechnen (Eavg)
  5. U₀ = Emin / Eavg

Tipp: Nutzen Sie unseren Gleichmäßigkeitsrechner zur automatischen Berechnung.

Warum ist hohe Gleichmäßigkeit wichtig?

Gesundheitliche Gründe:

  • • Reduziert Augenermüdung um bis zu 40%
  • • Verhindert Kopfschmerzen durch ständiges Adaptieren
  • • Verbessert Konzentration und Produktivität
  • • Reduziert Fehlerquote bei Präzisionsarbeiten

Sicherheit: Verhindert Stolpern/Stürze in dunklen Ecken (besonders bei älteren Menschen kritisch).

Ist eine U₀ von 1,0 (perfekte Gleichmäßigkeit) erreichbar?

Theoretisch ja, praktisch nein. U₀ = 1,0 bedeutet, dass jeder Punkt im Raum exakt gleich hell ist. Das ist nur unter Laborbedingungen möglich (z.B. Ulbricht-Kugel). In der Praxis sind Werte von 0,85-0,95 bereits extrem gut und nur mit aufwendiger Lichtplanung (viele Leuchten, indirekte Beleuchtung) erreichbar. Werte über 0,9 sind für normale Anwendungen nicht erforderlich und wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Wie viele Leuchten brauche ich für gute Gleichmäßigkeit?

Faustregel: Mehr kleinere Leuchten sind besser als wenige große.

  • Büro 20m²: Mindestens 4-6 Leuchten (besser 8-12 für U₀ > 0,8)
  • Großraumbüro 100m²: 20-30 Leuchten in Rasteranordnung
  • Industriehalle 500m²: 40-80 LED-Hallenstrahler (je nach Höhe)

Tipp: Verwenden Sie unseren Raumbeleuchtungsrechnerfür eine genaue Berechnung inkl. Gleichmäßigkeit.

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