Barrierefreie Beleuchtung

Licht ohne Barrieren nach DIN 18040

Was ist barrierefreie Beleuchtung?

Barrierefreie Beleuchtung bedeutet Licht, das für alle Menschen – unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen – nutzbar und sicher ist. Die Anforderungen sind in DIN 18040 (Teil 1: öffentliche Gebäude, Teil 2: Wohnungen) festgelegt.

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Erhöhte Helligkeit
2-3x mehr Licht für ältere Menschen
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Keine Blendung
Indirekte Beleuchtung bevorzugen
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Starke Kontraste
Hindernisse gut erkennbar machen

📋 Anforderungen nach DIN 18040

BereichMindest-LuxBesonderheiten
Wohnräume300 lxGleichmäßig, keine Schatten
Flure / Verkehrswege150 lx24h beleuchtet, Orientierungsbeleuchtung
Treppen200 lxStufen gut erkennbar, keine Schatten
Badezimmer300 lxBlendfreies Licht am Spiegel
Aufzüge100 lxBedienelemente beleuchtet

🎯 7 Grundprinzipien

1. Erhöhter Lichtbedarf

Menschen über 60 Jahre benötigen 2-3x mehr Licht als junge Menschen. Standard 300 Lux statt 100-150 Lux in Wohnräumen.

2. Blendung strikt vermeiden

Keine direkten Lichtquellen im Sichtfeld. Indirekte Beleuchtung über Decke/Wand, matte Oberflächen, UGR < 19.

3. Kontraste verstärken

Türrahmen, Stufen, Handläufe mit 30% Helligkeitskontrast. Dunkelgrau auf hellgrau ist besser als schwarz auf weiß (zu hart).

4. Gleichmäßige Ausleuchtung

Gleichmäßigkeit U₀ ≥ 0,6 (E_min / E_mittel). Keine plötzlichen Helligkeitswechsel zwischen Räumen oder Bereichen.

5. Schatten minimieren

Beleuchtung aus mehreren Richtungen. Hindernisse wie Stufen dürfen keine harten Schatten werfen.

6. Farbkontraste nutzen

Farbige Markierungen zusätzlich zur Helligkeit: Gelb/Orangefür Gefahrenstellen, Grün für Ausgänge.

7. Einfache Bedienung

Große Schalter (Mindestgröße 50×50mm), gut tastbar, auf 85-110cm Höhe, beleuchtet oder mit Orientierungslicht.

⚠️ Häufige Fehler vermeiden

Zu dunkle Grundbeleuchtung
Folge: Sturzgefahr, schlechte Orientierung
✅ Lösung: Mind. 300 Lux in Wohnräumen, 150 Lux in Fluren
Deckenstrahler direkt sichtbar
Folge: Blendung, Augenermüdung, Kopfschmerzen
✅ Lösung: Indirekte Beleuchtung, Abdeckungen, UGR < 19
Stufen nicht kontrastreich
Folge: Sturzrisiko erhöht
✅ Lösung: Stufenkanten mit 30% Kontrast, LED-Streifen unter den Kanten
Kaltes Licht über 4000K
Folge: Ungemütlich, kalt wirkend, schlechte Akzeptanz
✅ Lösung: Warmweiß 2700-3000K für Wohnbereiche

💡 Empfohlene Leuchtmittel & Technik

LED-Eigenschaften

  • CRI ≥ 90: Natürliche Farbwiedergabe
  • 2700-3000K: Warmweiß, gemütlich
  • Dimmbar: Anpassung an Tageszeit
  • Flimmerfrei: Kein Flackern (> 100 Hz)
  • Langlebig: Wartungsarm (25.000+ Stunden)

Steuerung & Automatik

  • 🔘 Präsenzmelder: Automatisches Einschalten
  • 🔘 Zeitverzögerung: 60-90 Sek. Nachlaufzeit
  • 🔘 Dämmerungsschalter: Bei < 150 Lux automatisch an
  • 🔘 Nachtlicht: Gedimmt (10-20 Lux), 24/7 aktiv
  • 🔘 Große Schalter: Taster ≥ 50×50mm

🔧 Praxisbeispiel: Seniorenwohnung

Wohnzimmer (20m²)

Grundbeleuchtung: 4× LED-Panel 60×60cm, 3000 Lumen, 3000K, dimmbar
Ergebnis: 350 Lux gleichmäßig, UGR < 16
Steuerung: Wanddimmer + Präsenzmelder

Flur (15m, 1,2m breit)

Grundbeleuchtung: 8× LED-Einbaustrahler, 600 Lumen, 2700K
Orientierungsbeleuchtung: LED-Streifen (10 Lux) bodennah, 24/7
Ergebnis: 180 Lux, stolperfreies Gehen nachts

Treppe (12 Stufen)

Stufenbeleuchtung: LED-Streifen unter jeder Stufenkante, warmweiß
Oberlicht: Deckenleuchte, 250 Lux
Kontrast: Stufenkanten in Dunkelgrau (30% Kontrast)
Steuerung: Präsenzmelder oben + unten, 90 Sek. Nachlauf

📚 Normen & Förderung

DIN 18040-1Barrierefreies Bauen – Öffentlich zugängliche Gebäude
DIN 18040-2Barrierefreies Bauen – Wohnungen
DIN EN 12464-1Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen
KfW 455-BZuschuss 10-12,5% für altersgerechten Umbau (inkl. Beleuchtung)
PflegekasseBis 4.000 € Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

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