Museum Lichtplanung

Exponatschutz & professionelle Beleuchtung

⏱️ Zeitaufwand

2-4 Stunden Planung

🔧 Komplexität

Fortgeschritten

📋 Normkonformität

DIN SPEC 67600

🎯 Überblick: Museumsbeleuchtung professionell planen

Museumsbeleuchtung erfordert die Balance zwischen optimaler Präsentation und langfristigem Exponatschutz. Diese Anleitung basiert auf DIN SPEC 67600 und internationalen Konservierungsstandards (ICOM, CIE 157).

🛡️ Konservierung

  • • UV-Strahlung eliminieren
  • • Lux-Limits einhalten
  • • Wärmeentwicklung minimieren
  • • Lichtdosis dokumentieren

🎨 Präsentation

  • • Hohe Farbwiedergabe (CRI ≥ 90)
  • • Gezielte Akzentbeleuchtung
  • • Blendfreiheit gewährleisten
  • • Atmosphäre gestalten

⚡ Effizienz

  • • LED-Technologie nutzen
  • • Intelligente Steuerung
  • • Präsenzerfassung
  • • Wartungsarm planen

📊 Exponatklassifizierung & Lux-Grenzwerte

Die Beleuchtungsstärke richtet sich nach der Lichtempfindlichkeit des Materials. Folgende Klassifizierung basiert auf CIE 157:2004 und wird weltweit in Museen angewendet:

SensibilitätsklasseMaterialien / ExponattypenMax. Beleuchtungs­stärkeJährliche LichtdosisUV-Schutz
Hochsensibel• Textilien (Seide, Wolle, gefärbte Stoffe)
• Aquarelle, Gouache
• Historische Dokumente, Manuskripte
• Fotografien (Farbfotografie)
• Botanische Sammlungen
• Gefärbtes Leder, Pelze
50 lx< 150.000
Lux-Stunden
Zwingend
Mittelsensibel• Ölgemälde (ungefirnisst)
• Temperamalerei
• Holzobjekte (gefärbt, lackiert)
• Ungegerbtes Leder
• Elfenbein (gefärbt)
• Naturhistorische Präparate
150-200 lx< 600.000
Lux-Stunden
Empfohlen
Niedrigsensibel• Ölgemälde (gefirnisst)
• Acrylmalerei
• Holz (naturbelassen)
• Unbehandeltes Leder
200-300 lxKeine
Begrenzung
Optional
Unempfindlich• Stein (Marmor, Granit)
• Metall (Bronze, Eisen, Gold)
• Keramik, Porzellan
• Glas
• Edelsteine, Mineralien
300+ lxKeine
Begrenzung
Nicht nötig

📐 Formel: Jährliche Lichtdosis berechnen

Luxstunden/Jahr = Beleuchtungsstärke (lx) × Stunden/Tag × Öffnungstage

Beispiel: Aquarell mit 50 lx, 8 Stunden täglich, 300 Tage/Jahr
→ 50 × 8 × 300 = 120.000 Luxstunden/Jahr (innerhalb Grenzwert <150.000)

💡 Lichtquellen & technische Anforderungen

🔬 Spektrale Anforderungen

UV-Strahlung (280-400 nm)

LED: Keine UV-Emission ✓
Tageslicht/Halogen: UV-Filter nötig (Transmission <0,1% bei 380 nm)

IR-Strahlung (700-2500 nm)

LED: Minimal (kühles Licht) ✓
Halogen: Hohe Wärmeentwicklung, Abstand ≥ 1 m nötig

Sichtbares Spektrum (400-700 nm)

Vollständige Abdeckung für natürliche Farbwiedergabe. Keine spektralen Lücken.

🎨 Farbwiedergabe-Standards

ParameterMinimumIdeal
CRI Ra (allgemein)≥ 90≥ 95
R9 (Rot, gesättigt)≥ 50≥ 80
R13 (Hauttöne)≥ 85≥ 90
TM-30 Rf (Fidelity)≥ 85≥ 90

⚠️ Wichtig: CRI Ra allein reicht nicht aus. R9 (Rot) ist entscheidend für authentische Darstellung von Gemälden mit roten Pigmenten (Zinnober, Karmin).

✅ LED-Auswahl für Museen: Checkliste

Spektrum: UV-frei (<400 nm), IR-arm
CRI: Ra ≥ 90, R9 ≥ 80 (Datenblatt prüfen)
Abstrahlwinkel: 15-36° für Akzente, 60-90° für Flächen
Dimmbarkeit: 0-100% flimmerfrei, DALI oder 0-10V
Farbtemperatur: 3000K (warm) oder 4000K (neutral)
Farbkonsistenz: SDCM ≤ 3 (MacAdam-Ellipsen)
Lebensdauer: L70 ≥ 50.000 Stunden (geringer Wartungsaufwand)
Zertifizierung: DIN SPEC 67600 konform, CE-Kennzeichnung

🎬 Beleuchtungstechniken für Museen

1. Akzentbeleuchtung (Accent Lighting)

Gezielte Beleuchtung einzelner Exponate mit fokussierten Strahlern. Erzeugt Kontrast zur Umgebungsbeleuchtung (Verhältnis 3:1 bis 5:1).

Technische Parameter:

  • Abstrahlwinkel: 15° (eng), 24° (mittel), 36° (weit)
  • Beleuchtungswinkel: 30° (Standard), 45° (Dramaturgie)
  • Abstand zum Exponat: 1,5-3 m je nach Strahlergröße
  • Gleichmäßigkeit: Emin/Emittel ≥ 0,7
Exponat30-45°1,5-3 mLED-StrahlerAkzentbeleuchtung: fokussiert, 3:1 Kontrast

2. Wandflutung (Wall Washing)

Gleichmäßige Beleuchtung vertikaler Flächen (Wände mit Gemälden). Strahler im Abstand von 0,5-1,0 m zur Wand, Abstand untereinander 0,7-1,2 m.

Planungsregeln:

  • Abstrahlwinkel: 60-90° (breite Streuung)
  • Abstand Strahler-Wand: 0,7-1,0 m
  • Strahlerabstand: 0,8-1,2 m (überlappende Lichtkegel)
  • Gleichmäßigkeit: Emin/Emax ≥ 0,8
0,8-1,2 mWandflutung: gleichmäßig, überlappend

3. Vitrinenbeleuchtung

Integrierte Beleuchtung in Vitrinen. Vermeidung von Reflexionen auf Glas. LED-Streifen oder Miniatur-Spots mit diffuser Lichtverteilung.

Besonderheiten:

  • Position: Seitlich oder von oben, nie von vorne
  • Wärmemanagement: LED ≤ 3W/m bei Textilien
  • Blendschutz: Abdeckung/Diffusor für Besucher
  • Reflexionsvermeidung: Beleuchtungswinkel ≤ 30°
ExponatVitrinenbeleuchtung: integriert, blendfrei

⚙️ Steuerungs- & Kontrollsysteme

🎛️ DALI-Steuerung (empfohlen)

Digital Addressable Lighting Interface ermöglicht individuelle Ansteuerung jeder Leuchte, präzise Dimmung und Szenenverwaltung.

Funktionen:

  • • Einzelne Leuchten adressieren (bis 64 Geräte/Linie)
  • • Dimmung 0-100% mit 256 Stufen
  • • 16 Gruppen, 16 Szenen speicherbar
  • • Rückmeldung: Leuchtenstatus, Betriebsstunden
  • • Tageslichtabhängige Regelung
  • • Integration in Gebäudeleittechnik

🕐 Zeitsteuerung & Monitoring

Dokumentation der Beleuchtungszeiten zur Berechnung der jährlichen Lichtdosis (Luxstunden) pro Exponat oder Ausstellungsraum.

Monitoring-Funktionen:

  • Betriebsstunden: Automatische Erfassung pro Leuchte
  • Lichtdosis: Berechnung Luxstunden/Jahr pro Raum
  • Wartungsalarm: Bei Überschreitung Grenzwert
  • Präsenzerfassung: Beleuchtung nur bei Besuchern
  • Tageslicht-Sensor: Automatische Helligkeitsanpassung
  • Datenexport: CSV/Excel für Konservierungsberichte

📊 Beispiel: Lichtdosis-Überwachung

Exponat / RaumSensibilitätBeleuchtungs­stärkeStunden/TagTage/JahrLuxstunden/JahrStatus
TextilraumHoch50 lx8280112.000OK (<150k)
GemäldegalerieMittel150 lx10310465.000OK (<600k)
SkulpturensaalNiedrig300 lx123651.314.000Unbegrenzt

💡 Tipp: Softwarelösungen wie DIAL LuxTrace oder custom DALI-Controller können Luxstunden automatisch erfassen und Alarme bei Grenzwertüberschreitung senden.

📐 Praktische Planungsbeispiele

Beispiel 1: Textilraum (hochsensibel)

Rahmendaten:

  • Raumgröße: 8 m × 6 m = 48 m²
  • Deckenhöhe: 3,2 m
  • Exponate: Historische Textilien, Seidenkleider
  • Max. Beleuchtungsstärke: 50 lx
  • Öffnungszeiten: 8 Std./Tag, 280 Tage/Jahr

Lösung:

  • Grundbeleuchtung: 8× LED-Strahler 36° @ 400 lm
    → Grundhelligkeit 50 lx (gleichmäßig)
  • Akzentbeleuchtung: 4× LED-Spot 24° @ 200 lm
    → Exponat-Highlights 150 lx (Kontrast 3:1)
  • LED-Spezifikation: 3000K, CRI 95, R9 ≥ 80, UV-frei
  • Steuerung: DALI mit Präsenzmelder, automatisches Dimmen auf 20% nach 2 Min. ohne Besucher
  • Lichtdosis: 50 lx × 8 h × 280 d = 112.000 Luxstunden/Jahr
    ✓ Grenzwert (<150.000) eingehalten

Beispiel 2: Gemäldegalerie (mittelsensibel)

Rahmendaten:

  • Raumgröße: 12 m × 8 m = 96 m²
  • Deckenhöhe: 4,0 m
  • Exponate: 24 Ölgemälde (17.-19. Jahrhundert)
  • Max. Beleuchtungsstärke: 150-200 lx
  • Öffnungszeiten: 10 Std./Tag, 300 Tage/Jahr

Lösung:

  • Wandflutung: 16× LED-Strahler 60° @ 800 lm
    → Gleichmäßige Wandbeleuchtung 100 lx
  • Akzent pro Gemälde: 24× LED-Spot 24° @ 350 lm
    → Exponat 200 lx (Kontrast 2:1, dezent)
  • LED-Spezifikation: 3000K, CRI 95, R9 ≥ 90, TM-30 Rf ≥ 90
  • Steuerung: DALI mit Tageslichtregelung (Fenster vorhanden), UV-Filter auf Fenstern (Transmission <0,1% @ 380 nm)
  • Lichtdosis: 150 lx × 10 h × 300 d = 450.000 Luxstunden/Jahr
    ✓ Grenzwert (<600.000) eingehalten

Beispiel 3: Antikensammlung (unempfindlich)

Rahmendaten:

  • Raumgröße: 15 m × 10 m = 150 m²
  • Deckenhöhe: 5,0 m (hoher Saal)
  • Exponate: Marmorskulpturen, Keramik, Bronzen
  • Beleuchtungsstärke: 300 lx (keine Begrenzung)
  • Öffnungszeiten: 12 Std./Tag, 365 Tage/Jahr

Lösung:

  • Grundbeleuchtung: 20× LED-Panel 60×60 cm @ 3.600 lm
    → Allgemeinbeleuchtung 200 lx
  • Skulpturen-Akzente: 12× LED-Strahler 36° @ 1.200 lm
    → Skulpturen 500 lx, dramatische Schatten (Kontrast 2,5:1)
  • LED-Spezifikation: 4000K (neutral), CRI 90, Effizienz 120 lm/W
  • Steuerung: DALI mit 3 Szenen (Öffnung: 100%, Führung: 80%, Abendveranstaltung: 50%)
  • Lichtdosis: Keine Begrenzung bei unempfindlichen Materialien
    ✓ Fokus auf Dramatik & Energieeffizienz

❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Beleuchtungsstärke ist für empfindliche Exponate richtig?

Hochempfindliche Exponate (Textilien, Aquarelle, historische Dokumente) benötigen maximal 50 Lux.Mittelsensible Objekte (Ölgemälde, gefärbtes Leder) 150-200 Lux.Unempfindliche Materialien (Stein, Metall, Keramik) vertragen bis 300 Lux. Die jährliche Lichtdosis sollte dokumentiert werden.

Warum ist UV-Schutz in Museen so wichtig?

UV-Strahlung (unter 400 nm) verursacht irreversible Schäden: Vergilbung von Papier, Ausbleichen von Farben, Zersetzung von Textilien. Moderne LED-Museumsleuchten emittieren kein UV-Licht. Bei Tageslicht sind UV-Filter (Transmission <0,1% bei 380 nm) zwingend erforderlich.

Welcher CRI-Wert ist für Museumsbeleuchtung erforderlich?

Mindestens Ra ≥ 90 nach DIN SPEC 67600. Für Kunstmuseen wird Ra ≥ 95 empfohlen. Der spezielle Farbwiedergabeindex R9 (Rot) sollte ≥ 80 sein, um Hauttöne und rote Pigmente authentisch wiederzugeben.

Wie berechnet man die jährliche Lichtdosis für Exponate?

Formel: Luxstunden pro Jahr = Beleuchtungsstärke (Lux) × Beleuchtungszeit (Stunden/Tag) × Öffnungstage.
Beispiel: 50 lx × 8 h × 300 Tage = 120.000 Lux-Stunden/Jahr.
Grenzwerte: Hochsensibel <150.000, Mittelsensibel <600.000 Lux-Stunden/Jahr.

Kann LED-Beleuchtung Gemälde schädigen?

Hochwertige Museum-LEDs (CRI ≥ 90, kein UV, minimales IR) sind sicherer als Halogen oder Tageslicht. Entscheidend ist die Einhaltung der Lux-Grenzwerte und der jährlichen Lichtdosis. Billige LEDs mit schlechter Farbwiedergabe (CRI <80) können spektrale Lücken haben und sollten vermieden werden.

Welche Farbtemperatur ist für Museen ideal?

3000K (Warmweiß) wird häufig für klassische Kunst bevorzugt (ähnlich Glühlampenlicht).4000K (Neutralweiß) eignet sich für moderne Kunst und naturhistorische Museen. Wichtiger als die Farbtemperatur ist der hohe CRI (≥ 90) und die kontinuierliche Spektralverteilung.

Wie verhindert man Reflexionen auf Gemälden mit Glasschutz?

1. Beleuchtungswinkel: 30-45° von oben (nie frontal).
2. Polarisationsfilter: Reduzieren Reflexionen um bis zu 90%.
3. Entspiegeltes Glas: Museumsglas mit Antireflexbeschichtung (Reflexion <1%).
4. Streulichtminimierung: Enge Abstrahlwinkel (15-24°), kein Streulicht auf Glas.

📋 Checkliste: Museum Lichtplanung

Exponatklassifizierung abgeschlossen

Hochsensibel (50 lx) / Mittelsensibel (150-200 lx) / Niedrigsensibel (300 lx)

LED-Auswahl: CRI ≥ 90, R9 ≥ 80, UV-frei

Datenblätter geprüft, DIN SPEC 67600 konform

Beleuchtungskonzept entwickelt

Grund-, Akzent-, Wandbeleuchtung geplant

UV-Schutz implementiert

LED ohne UV-Emission, Tageslicht: Filter <0,1% @ 380 nm

DALI-Steuerung konfiguriert

Einzelleuchten adressiert, Szenen programmiert

Lichtdosis-Überwachung eingerichtet

Betriebsstunden-Erfassung, Luxstunden-Berechnung automatisch

Messung & Verifizierung durchgeführt

Lux-Meter: Beleuchtungsstärken dokumentiert, Gleichmäßigkeit geprüft

Wartungsplan erstellt

Reinigung, Leuchtenaustausch, jährliche Lichtmessung

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