LED Thermal Management: Wärmeableitung & Kühlkonzepte
🌡️ Warum ist thermisches Management kritisch?
60-70% der zugeführten elektrischen Leistung werden bei LEDs in Wärme umgewandelt. Ohne effektive Kühlung steigt die Junction-Temperatur (Tj) über 125°C, was zu:
- Drastisch reduzierter Lebensdauer (Faktor 10-100× kürzer)
- Lichtstromabfall (bis zu 30% weniger Helligkeit)
- Farbverschiebung (Warmweiß → Bläulich)
- Totalausfall durch thermische Überlastung
Inhaltsverzeichnis
Grundlagen der Wärmeleitung
Der thermische Pfad einer LED
Jede Grenzfläche hat einen thermischen Widerstand (Rth), der den Wärmefluss behindert. Die Gesamtwärmeableitung ist die Summe aller Einzelwiderstände.
Grundlegende Formel für Temperaturdifferenz
ΔT = Pthermal × Rth
💡 Analogie zum Ohmschen Gesetz:
Thermischer Widerstand verhält sich analog zum elektrischen Widerstand:
ΔT = P × Rth entspricht U = I × R
Junction Temperature (Tj)
Die Junction-Temperatur ist die Temperatur am LED-Halbleiterübergang (p-n-Junction) – dem Ort, wo Licht erzeugt wird. Sie ist der wichtigste Parameter für LED-Lebensdauer und Leistung.
Berechnung der Junction-Temperatur
Tj = Tambient + (Pthermal × Rth,gesamt)
Tambient = Umgebungstemperatur | Pthermal = Abwärme | Rth,gesamt = Gesamter thermischer Widerstand
| Junction-Temperatur (Tj) | Effekt auf LED | Relative Lebensdauer | Lichtausbeute |
|---|---|---|---|
| Tj = 50°C | ✓ Optimal, höchste Effizienz | 300% | 105% |
| Tj = 70°C | ✓ Gut, normale Bedingungen | 150% | 102% |
| Tj = 85°C | ○ Akzeptabel, typischer Betrieb | 100% (Referenz) | 100% |
| Tj = 105°C | ⚠️ Kritisch, beschleunigte Alterung | 40% | 95% |
| Tj = 125°C | ❌ Max. Grenzwert, starke Degradation | 10% | 85% |
| Tj > 150°C | ❌ Zerstörung, Totalausfall droht | 0% (Defekt) | <50% |
⚠️ Arrhenius-Gleichung: Exponentieller Lebensdauerverlust
Die LED-Lebensdauer folgt der Arrhenius-Gleichung. Als Faustregel gilt:
Pro 10 K Temperaturerhöhung → Lebensdauer halbiert sich
Beispiel: Tj = 95°C statt 85°C → nur noch 50% der erwarteten Betriebsstunden
→ Effektive Kühlung ist der wichtigste Faktor für langlebige LED-Leuchten!
✓ Empfohlene Zielwerte für professionelle LED-Anwendungen
- Allgemeinbeleuchtung (50.000h): Tj ≤ 85°C
- Industriebeleuchtung (70.000h+): Tj ≤ 75°C
- Hochzuverlässig (100.000h): Tj ≤ 65°C
- Outdoor/Straßenbeleuchtung: Tj ≤ 80°C (bei Tambient = 35°C)
Thermische Widerstände im Detail
Der thermische Widerstand (Rth) beschreibt, wie stark ein Material oder eine Grenzfläche den Wärmefluss behindert. Je niedriger Rth, desto besser die Wärmeableitung.
Rth,gesamt = Rth,JC + Rth,CS + Rth,SH + Rth,Interface + Rth,HA
JC = Junction-to-Case | CS = Case-to-Solder | SH = Solder-to-Heatsink | HA = Heatsink-to-Ambient
Typische Rth-Werte in der Praxis
| Wärmepfad-Element | Rth [K/W] | Bemerkung |
|---|---|---|
| LED-Chip → Substrat | 1-5 | Vom Hersteller vorgegeben |
| Substrat → Platine (MCPCB) | 0,5-2 | Abhängig von Lötqualität |
| Platine → Kühlkörper (mit WLP) | 0,2-1 | Kritischer Übergang! |
| Platine → Kühlkörper (ohne WLP) | 2-10 | ❌ Ineffizient |
| Kühlkörper → Umgebung | 1-20 | Je nach Größe & Oberfläche |
Beispielrechnung: 10W LED ohne Kühlkörper
P = 10 W (elektrisch)
η = 40% (Lichtausbeute)
→ Pthermal = 6 W (Abwärme)
Rth,gesamt = 5 + 1 + 5 + 15 = 26 K/W
ΔT = 6 W × 26 K/W = 156 K
→ Bei Tambient = 25°C wäre Tj = 25 + 156 = 181°C → LED zerstört! ❌
Kühlkörper-Design und -Auswahl
Funktionsprinzipien der Wärmeabgabe
1. Wärmeleitung (Konduktion)
Wärmetransport durch direkten Kontakt vom LED-Chip zum Kühlkörper. Abhängig von Wärmeleitfähigkeit λ [W/(m·K)].
2. Konvektion
Wärmeabgabe an bewegte Luft. Natürliche Konvektion bei passiver Kühlung, erzwungene Konvektion bei Lüftern.
3. Wärmestrahlung
Infrarot-Abstrahlung. Effektivität steigt mit 4. Potenz der Temperatur. Schwarz eloxierte Oberflächen erhöhen Emissionsgrad.
Kühlkörper-Arten im Vergleich
Passive Kühlung
- Extrudierte Alu-Kühlkörper
→ Rth = 2-10 K/W
→ Günstig, zuverlässig - Druckguss-Kühlkörper
→ Rth = 3-15 K/W
→ Komplexe Formen möglich - Gestanzte Kühlkörper
→ Rth = 5-20 K/W
→ Sehr günstig, für niedrige Leistungen
Aktive Kühlung
- Kühlkörper + Lüfter
→ Rth = 0,5-3 K/W
→ Sehr effektiv, aber Lärm & Verschleiß - Heatpipe-Kühler
→ Rth = 1-5 K/W
→ Wärmetransport über Distanz - Wasserkühlung
→ Rth = 0,1-1 K/W
→ Hochleistungs-LEDs (Bühne, Film)
Kühlkörper-Dimensionierung
Schritt-für-Schritt Auslegung
- 1. Wärmeleistung berechnen
Pthermal = Pelektrisch × (1 - ηopt)
Typisch: Pthermal ≈ 0,6 × Pelektrisch - 2. Ziel-Tj festlegen
Empfohlen: Tj ≤ 85°C für 50.000h Lebensdauer - 3. Maximal zulässige ΔT berechnen
ΔTmax = Tj,max - Tambient - ΔTLED - ΔTKontakt
Beispiel: ΔTmax = 85 - 35 - 5 - 2 = 43 K - 4. Erforderlicher Rth,Kühlkörper
Rth,Kühlkörper = ΔTmax / Pthermal
Beispiel: Rth = 43 K / 6 W = 7,2 K/W - 5. Kühlkörper auswählen
Aus Datenblatt: Kühlkörper mit Rth ≤ 7,2 K/W wählen
Oberflächenvergrößerung
Ziel: Maximale Oberfläche für Wärmeabgabe an Luft
| Geometrie | Oberflächenfaktor | Bemerkung |
|---|---|---|
| Glatte Platte | 1× (Basis) | Ineffizient |
| Rippen (grob) | 3-5× | Standard-Extrusion |
| Rippen (fein) | 8-12× | Optimiert |
| Pin-Fin (Nadeln) | 10-15× | Hochleistung |
⚠️ Achtung: Zu feine Rippen können kontraproduktiv sein, wenn Luft nicht mehr zirkulieren kann!
Materialien & Wärmeleitfähigkeit
Die Wärmeleitfähigkeit λ (Lambda) gibt an, wie gut ein Material Wärme leitet. Sie wird in W/(m·K) angegeben. Je höher der Wert, desto besser die Wärmeleitung.
Wärmeleitfähigkeit wichtiger Materialien
| Material | Wärmeleitfähigkeit λ [W/(m·K)] | Anwendung |
|---|---|---|
Kühlkörpermaterialien | ||
| Kupfer (Cu) | 385-400 | Premium-Kühlkörper, Heatpipes |
| Aluminium (Al) | 205-237 | Standard-Kühlkörper (günstig, leicht) |
| Graphit (hochorientiert) | 1500-2000 | Hochleistungs-Wärmeleiter (teuer) |
| Diamant-beschichtetes Al | 600-1000 | Spezialanwendungen |
Leiterplattenmaterialien | ||
| FR4 (Glasfaser-Epoxid) | 0,3-0,4 | Standard-PCB (schlecht für LEDs!) |
| MCPCB (Standard) | 1-2 | LED-Platinen Einstieg |
| MCPCB (Hochleistung) | 3-8 | Professionelle LED-Beleuchtung |
| Keramik-Substrat (Al₂O₃) | 20-30 | High-End LEDs, COB |
| Keramik-Substrat (AlN) | 170-200 | Hochleistungs-COB |
Vergleich & Referenz | ||
| Luft (stillstehend) | 0,026 | Wärmeisolator (zu vermeiden!) |
| Wasser | 0,6 | Referenz |
| Edelstahl | 15-20 | Gehäusematerial (suboptimal) |
✓ Aluminium vs. Kupfer
Aluminium (Standard):
- λ = 205 W/(m·K)
- Leicht (2,7 g/cm³)
- Günstig
- Einfach zu bearbeiten
Kupfer (Premium):
- λ = 385 W/(m·K) → 1,9× besser
- Schwer (8,96 g/cm³) → 3,3× schwerer
- Teurer → 5-10× höhere Kosten
- Oxidiert (Beschichtung nötig)
💡 Materialwahl-Empfehlung
→ Aluminium-Kühlkörper ausreichend
→ Aluminium mit optimierter Geometrie
→ Evtl. Kupfer-Heatpipe für Wärmetransport
→ Kupfer-Basis oder Heatpipes
→ Aktive Kühlung (Lüfter)
Wärmeleitpaste (Thermal Interface Material - TIM)
Kritische Bedeutung der Grenzfläche
Problem: Lufteinschlüsse
Selbst polierte Metallflächen haben Mikrorauigkeiten, die zuLufteinschlüssen führen:
- Luft: λLuft = 0,026 W/(m·K) → sehr schlecht!
- Aluminium: λAlu = 205 W/(m·K) → 8000× besser
→ Ohne Wärmeleitpaste: Rth,Kontakt = 5-10 K/W
→ Mit Wärmeleitpaste: Rth,Kontakt = 0,2-1 K/W
Arten von Thermal Interface Materials (TIM)
| TIM-Typ | Wärmeleitfähigkeit | Vor-/Nachteile |
|---|---|---|
| Standard-Paste (Silikon) | 1-3 W/(m·K) | ✓ Günstig, einfach ✗ Vertrocknet bei 80°C+ |
| Hochleistungs-Paste | 4-8 W/(m·K) | ✓ Sehr gut, langlebig ✗ Teurer |
| Flüssigmetall (Gallium) | 30-73 W/(m·K) | ✓ Höchste Leistung ✗ Leitfähig! Korrosion! |
| Thermische Pads | 1-6 W/(m·K) | ✓ Sauber, wiederverwendbar ✗ Dicker → mehr Rth |
| Phase-Change Material | 3-5 W/(m·K) | ✓ Optimale Benetzung bei Betrieb ✗ Teuer |
✓ Best Practice: Hochleistungs-Wärmeleitpaste (5-8 W/(m·K)) dünn auftragen (0,1-0,2 mm). Zu viel Paste ist kontraproduktiv!
MCPCB (Metal Core Printed Circuit Board)
Was ist eine MCPCB und warum ist sie wichtig?
Metal Core Printed Circuit Board = Leiterplatte mit Aluminiumkernstatt FR4-Glasfaser
Schichtaufbau
- Kupfer-Leiterbahnen (35-105 µm)
- Dielektrische Isolationsschicht (50-150 µm) → kritisch für Rth!
- Aluminium-Kern (1-3 mm)
| PCB-Typ | Wärmeleitfähigkeit | Rth |
|---|---|---|
| FR4 (Standard) | 0,3 W/(m·K) | Sehr hoch (~50 K/W) |
| MCPCB (Standard) | 1-2 W/(m·K) | Mittel (5-10 K/W) |
| MCPCB (Hochleistung) | 3-8 W/(m·K) | Niedrig (1-3 K/W) |
⚠️ Achtung: Bei Hochleistungs-LEDs (> 3W) ist MCPCB zwingenderforderlich! FR4 führt zu Überhitzung und Frühausfall.
Praxis: Schritt-für-Schritt Thermal Management Berechnung
Beispiel: 20W LED-Scheinwerfer dimensionieren
Aufgabe: Design eines LED-Scheinwerfers mit 20W elektrischer Leistung für Außenbereich. Ziel: Mindestens 50.000h Lebensdauer (L70).
Schritt 1: Wärmeleistung berechnen
- Pelektrisch = 20 W
- LED-Effizienz: ηopt = 45% (moderne High-Power LED)
Pthermal = Pelektrisch × (1 - ηopt)
Pthermal = 20 W × (1 - 0,45) = 20 W × 0,55
Pthermal = 11 W (Abwärme)
→ Von 20W elektrischer Leistung werden 11W als Wärme abgeführt werden müssen.
Schritt 2: Maximal zulässige Junction-Temperatur festlegen
- Für 50.000h → Tj ≤ 85°C
- Tambient,max = 40°C (Sommer, direktes Sonnenlicht)
ΔTzulässig = Tj,max - Tambient,max
ΔTzulässig = 85°C - 40°C = 45 K
Schritt 3: Gesamten thermischen Widerstand ermitteln
Rth,gesamt,erforderlich = ΔTzulässig / Pthermal
Rth,gesamt = 45 K / 11 W = 4,1 K/W
→ Der gesamte thermische Widerstand vom Junction bis zur Umgebungsluft darf maximal 4,1 K/W betragen.
Schritt 4: Thermische Widerstände aufteilen
| Wärmepfad-Element | Rth [K/W] | Quelle/Annahme |
|---|---|---|
| LED → Substrat (Rth,JC) | 1,5 | LED-Datenblatt |
| Substrat → MCPCB (Rth,CS) | 0,8 | Lötverbindung |
| MCPCB → Kühlkörper (Rth,Interface) | 0,5 | Mit Wärmeleitpaste (5 W/(m·K)) |
| Kühlkörper → Luft (Rth,HA) | ? | Zu berechnen |
| Summe ohne Kühlkörper | 2,8 |
Rth,Kühlkörper = Rth,gesamt - Rth,LED - Rth,Lötung - Rth,Interface
Rth,Kühlkörper = 4,1 - 2,8 = 1,3 K/W
→ Wir benötigen einen Kühlkörper mit Rth ≤ 1,3 K/W(Herstellerangabe beachten!).
Schritt 5: Kühlkörper auswählen & validieren
- Aluminium, extrudiert, 150×100×40 mm
- Rth,HA = 1,2 K/W (Herstellerangabe, natürliche Konvektion)
Validierung:
Rth,gesamt,real = 1,5 + 0,8 + 0,5 + 1,2 = 4,0 K/W
ΔTreal = 11 W × 4,0 K/W = 44 K
Tj,real = 40°C + 44 K = 84°C
✓ Tj = 84°C < 85°C → Design erfüllt Anforderungen!
✓ Sicherheitsmarge: 1°C (knapp, aber akzeptabel)
Schritt 6: Worst-Case Analyse
Szenario: Was passiert bei ungünstigen Bedingungen?
| Szenario | Tambient | Rth Erhöhung | Tj | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Optimal | 25°C | - | 69°C | ✓ Sehr gut |
| Sommer | 40°C | - | 84°C | ○ OK |
| Verschmutzt (Staub) | 40°C | +15% | 91°C | ⚠️ Kritisch |
| Ohne WLP | 40°C | +100% | 125°C | ❌ Grenzwert |
💡 Empfehlung:
- 20% Sicherheitsmarge einplanen → Rth,Kühlkörper ≤ 1,0 K/W
- Regelmäßige Reinigung des Kühlkörpers (staubfrei halten)
- Wärmeleitpaste korrekt auftragen (0,1-0,2 mm dünn)
- Luftzirkulation sicherstellen
✓ Checkliste: Thermal Design
- ☑ Pthermal bestimmen
- ☑ Tj,max für Ziel-Lebensdauer
- ☑ Rth,gesamt berechnen
- ☑ Rth aufteilen
- ☑ Kühlkörper dimensionieren
- ☑ MCPCB verwenden (>3W LEDs)
- ☑ Wärmeleitpaste auftragen
- ☑ Kühlkörper montieren
- ☑ Luftzirkulation prüfen
- ☑ Temperatur messen & validieren
Thermische Simulation (FEM/CFD)
Thermische Simulation ermöglicht die virtuelle Analyse des Wärmeverhaltens vor der Prototypenfertigung. Dies spart Entwicklungszeit und -kosten erheblich.
Für Wärmeleitung in Festkörpern
Für Luftströmung und Konvektion
Professionelle Simulations-Software
Professionelle Tools
- ANSYS Icepak – Industry Standard
- SolidWorks Flow Simulation – Integriert in CAD
- COMSOL Multiphysics – Gekoppelte Simulation
- FloEFD – Einfach zu bedienen
Kostenfreie Alternativen
- FreeCAD + FEM Workbench – Open Source
- Elmer FEM – Thermische Analyse
- OpenFOAM – CFD (komplex)
Typische Simulationsschritte
- 1. 3D-Modell erstellen – CAD mit allen Kühlkörper-Details
- 2. Materialien definieren – λ (Wärmeleitfähigkeit) für alle Bauteile
- 3. Wärmequellen festlegen – LED-Leistung (W) auf Junction-Fläche
- 4. Randbedingungen setzen – Tambient, Konvektion, Strahlung
- 5. Meshing – Feineres Netz an kritischen Stellen
- 6. Simulation durchführen – Stationär oder transient
- 7. Auswertung – Tj, Hotspots, ΔT analysieren
Praktische Messtechnik für Thermal Management
Wichtig: Die Junction-Temperatur (Tj) kann nicht direkt gemessen werden! Sie muss aus Oberflächentemperaturen und Rth-Werten berechnet oder über die Forward-Voltage-Methode ermittelt werden.
Temperaturmess-Methoden im Überblick
| Methode | Genauigkeit | Anwendung |
|---|---|---|
| Thermoelement (Typ K) | ± 1-2°C | Kontaktmessung an Kühlkörper, MCPCB |
| PT100 / PT1000 | ± 0,1-0,5°C | Präzise Messungen (teurer) |
| IR-Thermometer | ± 2-5°C | Berührungslos, Oberfläche (Emissionsgrad beachten!) |
| Thermografiekamera | ± 2-3°C | Hotspot-Analyse, Verteilung visualisieren |
| Forward Voltage Method | ± 1-2°C | Elektrische Messung von Tj (indirekt) |
💡 Forward Voltage Method: Uf sinkt mit steigender Temperatur (~2-3 mV/K). Durch Kalibrierung kann Tj präzise bestimmt werden, ohne Gehäuse zu öffnen!
Häufige Fehler vermeiden: Thermal Management Best Practices
❌ Fehler 1: Keine Wärmeleitpaste verwenden
Problem: Lufteinschlüsse zwischen MCPCB und Kühlkörper
Auswirkung:
- Rth,Kontakt steigt von 0,5 K/W auf 5-10 K/W (Faktor 10-20×)
- Tj steigt um 50-100 K
- LED fällt nach 500-2.000h statt 50.000h aus
✓ Lösung: Hochleistungs-Wärmeleitpaste (5-8 W/(m·K)) dünn auftragen (0,1-0,2 mm). Zu viel Paste vermeiden!
❌ Fehler 2: Zu kleiner Kühlkörper (Kosteneinsparung)
Problem: Rth,Kühlkörper zu hoch
Beispiel: 10W LED, benötigt Rth = 2 K/W, verwendet aber 5 K/W
- "Ersparnis": 2-5 € pro Leuchte
- Folge: Tj = 105°C statt 75°C → nur noch 10% Lebensdauer
- Kosten: Früher Austausch, Garantiefälle, Image-Schaden
✓ Lösung: 20-30% Sicherheitsmarge bei Rth einplanen. Langlebigkeit ist wichtiger als minimale Materialkosten!
❌ Fehler 3: Kühlkörper in geschlossenem Gehäuse ohne Belüftung
Problem: Kühlkörper heizt Gehäuse-Innenraum auf, keine Wärmeabfuhr
Auswirkung:
- Tambient,lokal steigt auf 50-70°C
- Natürliche Konvektion funktioniert nicht
- Rth,Kühlkörper verdoppelt sich oder mehr
✓ Lösung:
- Belüftungsschlitze: Unten kalt, oben warm (Kamineffekt)
- Mindestens 30 cm² Öffnungsfläche pro 10W LED
- Bei >50W: Aktive Kühlung (Lüfter) verwenden
❌ Fehler 4: FR4-Platinen für Hochleistungs-LEDs
Problem: FR4 hat λ = 0,3 W/(m·K) → schlechter Wärmeleiter
Grenzwerte:
- < 0,5W LED: FR4 akzeptabel
- 0,5-1W: FR4 mit großen Kupferflächen
- > 1W: MCPCB zwingend erforderlich
- > 5W: MCPCB Hochleistung (λ > 3 W/(m·K))
✓ Lösung: Für alle LEDs >1W immer MCPCB verwenden!
❌ Fehler 5: Horizontale Kühlkörper-Montage mit Rippen nach oben
Problem: Rippen sammeln Staub, reduzieren Oberfläche
Auswirkung: Nach 1-2 Jahren: +15-30% höherer Rth
✓ Lösung:
- Vertikale Montage bevorzugen (Rippen horizontal)
- Bei horizontaler Montage: Regelmäßige Reinigung
- Schutzabdeckung oder IP-Schutzart für Außenbereich
❌ Fehler 6: Keine Temperaturmessung nach Installation
Problem: Design-Fehler werden nicht erkannt
Empfehlung:
- Temperatur-Messung nach 30-60 min Betrieb
- Bei TKühlkörper > 70°C → Tj zu hoch!
- Ziel: TKühlkörper < 60°C bei Tambient = 25°C
✓ Lösung: Immer Prototyp-Validierung durchführen!
❌ Fehler 7: Parallel-Betrieb mehrerer LEDs ohne individuelle Kühlung
Problem: LED-Toleranzen führen zu ungleicher Stromverteilung
Auswirkung:
- Eine LED nimmt mehr Strom auf → wird heißer → nimmt noch mehr Strom auf (Thermal Runaway)
- Einzelne LEDs können ausfallen, während andere noch funktionieren
✓ Lösung:
- Jede LED auf separate MCPCB oder thermisch isolierte Bereiche
- LED-Konstantstromquelle mit Current-Sharing verwenden
- Temperatur-Monitoring für kritische Anwendungen
❌ Fehler 8: Schwarze Eloxierung vergessen
Problem: Glänzendes Aluminium hat niedrigen Emissionsgrad (ε ≈ 0,05)
Wärmestrahlung: Pstrahlung = ε × σ × A × T⁴
- Blank eloxiert: ε = 0,05 → 5% Strahlung
- Schwarz eloxiert: ε = 0,9 → 90% Strahlung
Effekt: Bis zu 20% bessere Kühlung bei höheren Temperaturen (>80°C)
✓ Lösung: Kühlkörper schwarz eloxieren oder beschichten!
💡 Quick-Check: Ist mein LED Thermal Design gut?
✓ Design ist gut, wenn:
- ☑ Tj ≤ 85°C bei max. Tambient
- ☑ MCPCB bei LEDs >1W verwendet
- ☑ Wärmeleitpaste korrekt aufgetragen
- ☑ Rth mit 20% Sicherheit ausgelegt
- ☑ Luftzirkulation gewährleistet
- ☑ Kühlkörper zugänglich für Reinigung
- ☑ Prototyp temperaturmessend validiert
⚠️ Warnsignale:
- □ Kühlkörper zu heiß zum Anfassen (>70°C)
- □ LED-Helligkeit nimmt im Betrieb ab
- □ Farbtemperatur verändert sich
- □ Gehäuse wird sehr warm
- □ Elektronik riecht "verbrannt"
- □ Frühere Ausfälle als erwartet
- □ Große Helligkeitsunterschiede bei mehreren LEDs
✓ Zusammenfassung: LED Thermal Management
- Wärmeentwicklung: 60-70% der elektrischen Leistung wird zu Wärme → effektive Kühlung ist essentiell
- Junction-Temperatur (Tj): Max. 85°C für 50.000h Lebensdauer, optimal <75°C
- Arrhenius-Regel: Pro 10 K höhere Temperatur halbiert sich die Lebensdauer
- Thermischer Widerstand: Rth = ΔT / P [K/W] – je niedriger, desto besser
- Wärmeleitpaste (TIM): Reduziert Rth,Kontakt um Faktor 5-10 → zwingend notwendig!
- MCPCB: Zwingend für LED-Leistung >1W (λ = 1-8 W/(m·K))
- Materialwahl: Aluminium (Standard), Kupfer (Premium), Keramik (High-End COB)
- Kühlkörper-Design: Maximale Oberfläche, optimale Luftzirkulation, 20% Sicherheitsmarge
- Simulation: FEM/CFD-Tools (ANSYS, SolidWorks) für professionelle Entwicklung
- Validierung: Immer Prototypen temperaturmessend validieren!
🎯 Die 5 wichtigsten Thermal Management Regeln
- Thermische Leistung korrekt berechnen (Pthermal = Pel × 0,6)
- Tj ≤ 85°C für 50.000h Lebensdauer einhalten
- Immer MCPCB bei LEDs >1W verwenden
- Wärmeleitpaste verwenden (5-8 W/(m·K), dünn auftragen)
- Luftzirkulation sicherstellen + Prototyp validieren
Weiterführende Informationen
LED Lebensdauer verstehen
L70/L80-Werte, Degradation und Einflussfaktoren
LED Binning & Toleranzen
Temperaturabhängigkeit von Farbort und Flussbinning
LED Treiber & Netzteile
Konstantstromquellen für thermische Stabilität
COB vs. SMD LED
Thermal Management Vergleich verschiedener LED-Typen
🧮 LED-Leistungsrechner
Wärmeabfuhr und Kühlkörper dimensionieren
Lichtplanungssoftware
Tools für thermische und lichttechnische Simulation
💡 Professionelle Unterstützung
Thermisches Management ist kritisch für LED-Langlebigkeit. Bei professionellen Leuchtenprojekten empfehlen wir:
- ✓ Thermische Simulation (FEM/CFD) vor Prototypenfertigung
- ✓ Messtechnische Validierung von Prototypen
- ✓ Worst-Case-Analyse für alle Betriebsbedingungen
- ✓ Langzeit-Tests unter realistischen Bedingungen
- ✓ Dokumentation aller thermischen Parameter für Zertifizierung