Gleichmäßigkeit und Blendung
Zusammenfassung
Neben der Beleuchtungsstärke (Lux) sind Gleichmäßigkeit (U0)und Blendungsbegrenzung (UGR) entscheidend für gute Lichtqualität. DIN EN 12464-1 fordert Mindestwerte für beide Parameter. Dieser Artikel erklärt Berechnung, Messung und Optimierung beider Kennzahlen mit praktischen Beispielen und Visualisierungen.
Was ist Beleuchtungsqualität?
Gute Beleuchtung bedeutet mehr als nur „hell genug". Die Lichtqualität wird durch drei Hauptparameter bestimmt:
1. Beleuchtungsstärke (E)
Wie viel Licht kommt an?
Gemessen in Lux (lx)
2. Gleichmäßigkeit (U0)
Wie gleichmäßig ist das Licht verteilt?
Verhältnis 0-1 (dimensionslos)
3. Blendung (UGR)
Wie stark blendet die Lichtquelle?
Skala 10-28 (niedriger = besser)
⚠️ Häufiger Planungsfehler
Viele Projekte erfüllen nur die Lux-Anforderung, ignorieren aber U0 und UGR. Das Ergebnis: Technisch korrekt, aber unbequem für die Nutzer.Alle drei Parameter müssen gleichzeitig erfüllt sein!
Gleichmäßigkeit (U0) im Detail
Definition und Formel
U₀ = Emin / Em
Emin = Minimale Beleuchtungsstärke im Bereich (dunkelster Punkt)
Em = Mittlere Beleuchtungsstärke im Bereich (Durchschnitt)
U₀ = Gleichmäßigkeit (dimensionslos, Werte zwischen 0 und 1)
Die Gleichmäßigkeit U₀ beschreibt, wie gleichmäßig das Licht verteilt ist. Ein Wert von 1,0 wäre perfekt gleichmäßig (theoretisch unmöglich), Werte nahe 0 bedeuten extreme Helligkeitsunterschiede.
Visuelle Darstellung
Schlechte Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,25)
❌ Starke Helligkeitsunterschiede, Ecken zu dunkel
Mittlere Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,50)
⚠️ Akzeptabel für Umgebungsbereiche
Gute Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,70)
✅ Gleichmäßige Ausleuchtung, normgerecht
Messraster-Visualisierung
Typisches 3×3 Messraster für kleine Räume
Berechnung:
- Em (Mittelwert): (420+520+430+510+540+515+410+525+415) / 9 = 476 lx
- Emin (Minimum): 410 lx (untere linke Ecke)
- U₀ = Emin / Em: 410 / 476 = 0,86 ✅ Sehr gut!
Norm-Anforderungen nach DIN EN 12464-1
Die DIN EN 12464-1 unterscheidet drei Bereiche mit unterschiedlichen U₀-Anforderungen:
| Bereich | Mindest-U₀ | Erklärung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Sehaufgabe | ≥ 0,70 | Arbeitsbereich, direktes Sehen | Schreibtisch, Werkbank |
| Umgebungsbereich | ≥ 0,50 | 0,5 m um Sehaufgabe herum | Bereich um den Schreibtisch |
| Hintergrund | ≥ 0,40 | Rest des Raums | Rückwärtige Raumteile |
Vollständige Anforderungstabelle nach DIN EN 12464-1:2021
Auszug häufig benötigter Arbeitsplätze mit allen drei Parametern (Stand: November 2025)
| Art der Tätigkeit / Raum | Ēm (lx) | U₀ | UGR_max | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Büros und Verwaltung | ||||
| Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung | 500 | 0,60 | 19 | Standard-Büroarbeitsplatz |
| Technisches Zeichnen (CAD) | 750 | 0,70 | 16 | Hohe Präzision erforderlich |
| Konferenzräume | 500 | 0,60 | 19 | Dimmbarer Betrieb empfohlen |
| Empfang/Reception | 300 | 0,60 | 22 | Repräsentativer Charakter |
| Industrie und Handwerk | ||||
| Grobe Montagearbeiten | 200 | 0,40 | 25 | Große Teile, geringe Genauigkeit |
| Mittlere Montagearbeiten | 300 | 0,60 | 22 | Mittlere Teile und Genauigkeit |
| Feinmontage (Elektronik) | 750 | 0,70 | 19 | Kleine Teile, hohe Präzision |
| Sehr feine Montage (SMD-Bestückung) | 1500 | 0,70 | 16 | Minimale Teile, höchste Präzision |
| Qualitätskontrolle (visuell) | 1000 | 0,70 | 19 | Fehlerdetektierung erforderlich |
| Lager und Logistik | ||||
| Lagergänge (allgemein) | 100 | 0,40 | 28 | Verkehrssicherheit ausreichend |
| Kommissionierung (grob) | 150 | 0,40 | 25 | Große Artikel, Kartons |
| Kommissionierung (fein) | 300 | 0,60 | 25 | Kleine Artikel, Etiketten lesen |
| Verpackung / Versand | 300 | 0,60 | 25 | Kontrolle und Dokumentation |
| Verkaufs- und Servicebereiche | ||||
| Verkaufsraum (allgemein) | 300 | 0,40 | 22 | Akzentbeleuchtung zusätzlich |
| Kassenbereich | 500 | 0,60 | 19 | Preisschilder/Geldscheine erkennen |
| Werkstatt (KFZ, Mechanik) | 500 | 0,60 | 22 | Zusatzleuchten für Detailarbeit |
| Verkehrswege und Nebenflächen | ||||
| Flure / Korridore | 100 | 0,40 | 28 | Sicherheitsbeleuchtung beachten |
| Treppenhäuser | 150 | 0,40 | 28 | Stufen gut erkennbar |
| Sanitärräume | 200 | 0,40 | 25 | IP44 Schutzart erforderlich |
| Pausenräume / Kantine | 200 | 0,40 | 22 | Gemütlichkeit vs. Funktion |
📋 Hinweise zur Tabelle
- Ēm: Wartungswert der mittleren Beleuchtungsstärke auf der Nutzebene
- U₀: Gleichmäßigkeit = Emin / Ēm (auf derselben Fläche)
- UGR_max: Maximal zulässiger Blendwert (niedrigere Werte sind besser)
- Umgebungsbeleuchtung: Sollte mindestens 1/3 der Beleuchtungsstärke der Sehaufgabe betragen, aber nicht weniger als 200 lx bei Ēm ≥ 500 lx
- Alle Werte: Gelten für normale Sehaufgaben. Bei Sehbehinderung können höhere Werte erforderlich sein
🎯 Praxistipp: Zielwerte
In der Planung sollten Sie nicht die Mindestwerte anstreben, sondern:
Sehaufgabe: U₀ ≥ 0,75
Umgebungsbereich: U₀ ≥ 0,60
Hintergrund: U₀ ≥ 0,50
Grund: Im Laufe der Zeit verschlechtert sich die Gleichmäßigkeit durch Lampenverschmutzung und Alterung (Wartungsfaktor!).
Praktische Beispielrechnungen
Beispiel 1: Büroraum (gut)
Gemessene Werte:
- Em = 520 lx (Durchschnitt)
- Emin = 410 lx (dunkelste Ecke)
U₀ = 410 / 520 = 0,79
✓ Bewertung: Anforderung (≥ 0,40) deutlich übertroffen. Sehr gute Gleichmäßigkeit!
Beispiel 2: Industriehalle (schlecht)
Gemessene Werte:
- Em = 380 lx (Durchschnitt)
- Emin = 95 lx (zwischen Leuchten)
U₀ = 95 / 380 = 0,25
✗ Bewertung: Anforderung nicht erfüllt! Leuchtenabstand zu groß oder falsche Optik.
Messmethode für U₀
Um die Gleichmäßigkeit zu messen, benötigen Sie ein kalibriertes Luxmeter und ein Messraster:
Standard-Messpunkte nach DIN EN 12464-1:
- Raum in Raster unterteilen (z.B. 2m × 2m bei großen Räumen)
- Messhöhe: 0,85 m (Schreibtischhöhe) oder arbeitsspezifisch
- An jedem Rasterpunkt Beleuchtungsstärke messen
- Mittelwert Em berechnen (Summe aller Werte / Anzahl Messpunkte)
- Niedrigsten Wert Emin identifizieren
- U₀ = Emin / Em berechnen
⚠️ Häufige Messfehler
- Zu wenige Messpunkte: Minimum 9 Punkte bei kleinen Räumen
- Falsche Höhe: Immer auf Arbeitshöhe messen, nicht Bodenhöhe!
- Tageslicht nicht ausgeschlossen: Messung nachts oder mit abgedunkelten Fenstern
- Lampen nicht eingebrannt: LED-Leuchten mind. 100h betreiben vor Messung
U₀ optimieren: Praktische Strategien
Ursachen für schlechte Gleichmäßigkeit
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Dunkle Ecken | Leuchtenabstand zu groß | Mehr Leuchten installieren oder engere Anordnung |
| Lichtkegel sichtbar | Zu enge Abstrahlcharakteristik | Leuchten mit breiterem Abstrahlwinkel (120°+) |
| Helle Flecken unter Leuchten | Montagehöhe zu niedrig | Leuchten höher montieren oder indirekte Beleuchtung |
| Ungleichmäßige Reihen | Asymmetrische Leuchtenanordnung | Symmetrisches Raster planen |
| Streifen/Muster | Falsche Leuchtenausrichtung | BAP-Ausrichtung (Batwing-Optik) verwenden |
Optimierungsmaßnahmen
1. Leuchtenabstand
Faustregel: Abstand zwischen Leuchten sollte nicht größer sein als das 1,5-fache der Montagehöhe.
Beispiel: Bei 3m Deckenhöhe → max. 4,5m Abstand
2. Optik wählen
Breitstrahlend (≥120°): Für gleichmäßige Ausleuchtung
Engstrahlend (<60°): Nur für Akzentbeleuchtung
BAP/BAT-Optiken speziell für hohe Gleichmäßigkeit entwickelt
3. Indirektanteil
Direktes Licht (0/100%): U₀ schwieriger zu erreichen
Direkt/Indirekt (50/50%): Bessere Gleichmäßigkeit
Indirektlicht von Decke reflektiert = natürlichere Verteilung
Blendung (UGR) im Detail
Was ist UGR?
UGR = Unified Glare Rating (Einheitliche Blendungsbewertung)
Der UGR-Wert quantifiziert die psychologische Blendung – das subjektive Unbehagen durch zu helle Lichtquellen im Gesichtsfeld. Je niedriger der UGR-Wert, desto geringer die Blendung.
Blendung entsteht, wenn der Leuchtdichtekontrast zwischen Lichtquelle und Umgebung zu groß ist. Das menschliche Auge kann sich nicht gleichzeitig an sehr helle und dunkle Bereiche adaptieren – die Folge: Unbehagen, Ermüdung, reduzierte Sehleistung.
Arten der Blendung
Direktblendung
Lichtquelle liegt direkt im Blickfeld. Typisch bei Deckenleuchten über dem Arbeitsplatz.
Reflexblendung
Lichtreflexion auf glänzenden Oberflächen (Bildschirm, Tastatur, glänzendes Papier).
UGR-Skala
UGR-Visualisierung: Einflussfaktoren
Hoher UGR (schlecht): UGR = 26
- ❌ Leuchte direkt im Blickfeld
- ❌ Sehr helle Leuchtfläche (10.000 cd/m²)
- ❌ Dunkler Raum (geringer Hintergrund)
- ❌ Keine Abschirmung
Niedriger UGR (gut): UGR = 17
- ✅ Große Leuchtfläche (niedrige cd/m²)
- ✅ Microprismenoptik / Raster
- ✅ Heller Raum (hoher Hintergrund)
- ✅ Indirektanteil 30%
UGR-Grenzwerte nach DIN EN 12464-1
Die Norm definiert maximale UGR-Werte je nach Sehaufgabe. Wichtig: Es sind Maximalwerte – niedrigere Werte sind besser!
| Arbeitsbereich | Max. UGR | Typische Tätigkeiten | Anforderungsniveau |
|---|---|---|---|
| Präzisionsarbeit | ≤ 16 | Technisches Zeichnen, CAD, Feinmontage | Sehr hoch |
| Büroarbeit | ≤ 19 | Bildschirmarbeit, Lesen, Schreiben, Meetings | Hoch |
| Industrie/Werkstatt | ≤ 22 | Montage, Maschinenarbeit, Kontrolle | Mittel |
| Lager/Logistik | ≤ 25 | Kommissionierung, grobe Arbeiten | Niedrig |
| Verkehrswege | ≤ 28 | Flure, Treppen, Parkplätze | Minimal |
📐 UGR-Schritte verstehen
UGR-Werte werden in 3er-Schritten angegeben: 10, 13, 16, 19, 22, 25, 28.
Jeder Schritt entspricht einer wahrnehmbaren Veränderung der Blendung. Ein Unterschied von 3 UGR-Punkten ist für die meisten Menschen gerade noch spürbar.
UGR-Berechnung und Einflussfaktoren
Die UGR-Formel (vereinfacht)
UGR = 8 × log₁₀[(0,25/Lb) × Σ(L²s × ω / p²)]
Lb = Hintergrund-Leuchtdichte (cd/m²)
Ls = Leuchtdichte der Lichtquelle (cd/m²)
ω = Raumwinkel der Lichtquelle (Größe im Gesichtsfeld)
p = Positionsindex (Abstand vom Blickzentrum)
⚠️ Wichtig für Planer
Die UGR-Berechnung ist komplex und erfordert lichttechnische Software (DIALux, Relux). Die Software berücksichtigt Raumgeometrie, Leuchtenanordnung, Reflexionsgrade und Beobachterpositionen.Manuelle Berechnung ist nicht praktikabel!
Einflussfaktoren auf UGR
| Faktor | Auswirkung | Optimierung |
|---|---|---|
| Leuchtdichte (cd/m²) | Je heller die sichtbare Fläche, desto höher UGR | Mikroprismen-Optiken, Entblendungsraster |
| Leuchtengröße | Große Leuchtflächen reduzieren UGR | Flächenleuchten statt Punktleuchten |
| Position im Gesichtsfeld | Leuchten nahe der Blickachse = höherer UGR | Indirekte Beleuchtung, Pendelleuchten |
| Hintergrund-Helligkeit | Dunkler Raum = höherer UGR | Helle Decken/Wände (Reflexionsgrade ≥70%) |
| Abstrahlwinkel | Steile Winkel (<65°) kritisch | Leuchten mit guter Abschirmung (>65°) |
Reflexionsgrade für UGR-Berechnung
Die Reflexionsgrade der Raumoberflächen beeinflussen die Hintergrund-Leuchtdichte und damit den UGR erheblich. Hier typische Werte nach DIN EN 12464-1:
| Oberfläche | Empfohlener Reflexionsgrad | Material/Farbe (Beispiele) | Auswirkung |
|---|---|---|---|
| Decke | 0,70 – 0,90 | Weiße Farbe (RAL 9016), helle Akustikdecken | Maximale Lichtreflexion, senkt UGR deutlich |
| Wände | 0,50 – 0,80 | Hellgrau (RAL 9002), Beige, Creme | Gute Raumhelligkeit, angenehme Atmosphäre |
| Boden | 0,20 – 0,40 | Heller Laminat, PVC, Fliesen | Zu hell vermeiden (Reflexblendung!) |
| Arbeitsflächen | 0,20 – 0,60 | Helle Tischplatten, matt | Matt wichtig zur Vermeidung von Reflexionen |
⚠️ Wichtig: Reflexionsgrade in Lichtplanungssoftware
Verwenden Sie in DIALux/Relux realistische Reflexionsgrade! Standard-Voreinstellungen sind oft zu optimistisch (z.B. Decke 0,80 statt real 0,65 bei Renovierung). Zu hohe Werte führen zu zu niedrig berechneten UGR-Werten → Blendung wird in der Realität höher sein als berechnet!
UGR optimieren: Praktische Lösungen
Konstruktive Maßnahmen
1. Leuchtenauswahl
- Prismen-/Mikropyrami den-Optik: Leuchtdichte <3.000 cd/m²
- BAP-Raster: Blendungsbegrenzung bei 65°
- Indirektleuchten: UGR < 16 typisch
- Opal-Abdeckung: Einfach, aber höherer UGR
2. Anordnung
- Parallel zur Blickrichtung: Leuchtenreihen längs zur Hauptsehrichtung
- Montagehöhe: Höher = besser (größerer Abstand zum Auge)
- Indirektanteil: 30-50% indirekt senkt UGR deutlich
- Pendelleuchten: Abschirmwinkel mindestens 65°
3. Raumgestaltung
- Helle Decken: Reflexionsgrad ≥70% (weiß)
- Helle Wände: Reflexionsgrad ≥50% (hellgrau/beige)
- Mattierte Oberflächen: Vermeidet Reflexblendung
- Tageslichtnutzung: Erhöht Hintergrund-Leuchtdichte
Spezialfall: Bildschirmarbeitsplätze
Besondere Anforderungen nach ASR A3.4
Bei Bildschirmarbeit ist Reflexblendung das Hauptproblem. Zusätzlich zu UGR ≤ 19:
- Leuchtenanordnung: Parallel zur Fensterfront und Blickrichtung
- Abstrahlwinkel: Abschirmung ab 65° (keine Reflexion im Bildschirm)
- Leuchtdichte: Max. 3.000 cd/m² bei 65°-85° Abstrahlwinkel
- Bildschirmausrichtung: 90° zu Fenstern, nie direkt davor/dahinter
- Tageslichtsteuerung: Blendschutz (Jalousien) erforderlich
Praxisbeispiele
Fallbeispiel 1: Büro-Sanierung
Ausgangssituation (schlecht)
- Alte T8-Rasterleuchten mit Opal-Abdeckung
- Gemessener UGR: 25 (Soll: ≤ 19)
- Beschwerden: Blendung, Kopfschmerzen, Bildschirmreflexionen
Lösung (gut)
- Austausch gegen LED-Leuchten mit Mikropr ismen-Optik
- Anordnung parallel zur Hauptblickrichtung
- 30% Indirektanteil über die Decke
Ergebnis: UGR = 17, Mitarbeiter berichten von deutlich angenehmerer Beleuchtung
Fallbeispiel 2: Industriehalle
Ausgangssituation (akzeptabel)
- Hochdrucknatriumdampflampen, 8m Deckenhöhe
- Gemessener UGR: 24 (Soll: ≤ 22)
- Problem: Starke Punktlichtquellen
Lösung (gut)
- LED-Hallentiefstrahler mit breiter Optik (120°)
- Mehr Leuchten mit geringerer Einzelleistung
- Wände gestrichen (von dunkelgrau auf hellgrau)
Ergebnis: UGR = 20, gleichzeitig bessere Gleichmäßigkeit (U₀ von 0,45 auf 0,62)
Checkliste: U₀ und UGR prüfen
Planungsphase
- ☐ Norm-Anforderungen identifiziert (U₀ + UGR für die Tätigkeit)
- ☐ Leuchten mit UGR-Tabellen ausgewählt (Datenblatt prüfen!)
- ☐ Lichttechnische Berechnung in DIALux/Relux durchgeführt
- ☐ U₀ ≥ Normwert + 0,1 Puffer (wegen Alterung)
- ☐ UGR mindestens 3 Punkte unter Maximalwert
- ☐ Reflexionsgrade der Oberflächen berücksichtigt
Abnahmemessung
- ☐ Beleuchtungsstärke-Raster gemessen (E min/Em für U₀)
- ☐ UGR mit Leuchtdichte-Messgerät geprüft (optional)
- ☐ Subjektive Beurteilung durch Nutzer eingeholt
- ☐ Bildschirmreflexionen an mehreren Arbeitsplätzen geprüft
- ☐ Messprotokoll erstellt und dokumentiert
Häufige Fehler vermeiden
| Fehler | Konsequenz | Vermeidung |
|---|---|---|
| Nur Lux-Wert beachtet | Norm erfüllt, aber Nutzer unzufrieden | Immer alle 3 Parameter prüfen (E, U₀, UGR) |
| UGR-Tabelle falsch gelesen | UGR in Realität höher als berechnet | Raumgröße und Beobachterposition prüfen |
| Billigste Leuchte gewählt | UGR 25 statt benötigter 19 | Leuchtendatenblatt UGR-Werte prüfen |
| Zu wenige Leuchten | Einzelleuchten zu hell → hoher UGR | Mehr Leuchten, dafür gedimmt = niedriger UGR |
| Dunkle Raumgestaltung | Kontrast zu hoch → Blendung verstärkt | Helle Decken (≥70% Reflexion) planen |
Schnellreferenz: Leuchtenauswahl nach UGR-Anforderung
| Gefordert | Geeignete Leuchtentypen | Optik/Abschirmung | Beispiele | Preis |
|---|---|---|---|---|
| UGR ≤ 16 | Indirekt-/Direktanteil 50/50, Pendelleuchten mit Mikroprismen | Hochwertige Mikroprismen, kein direkter Blick auf LED | CAD-Arbeitsplätze, Zeichnungsbüros | €€€ |
| UGR ≤ 19 | Panel mit Mikroprismen, BAP-Rasterleuchten | Mikroprismen oder BAP-Raster (65°) | Standard-Büros, Bildschirmarbeit | €€ |
| UGR ≤ 22 | Rasterleuchten, Panels mit Opal, Hallenleuchten | Standard-Raster oder Opal-Diffusor | Industrie, Werkstätten, Lager | € |
| UGR ≤ 25 | Wannenleuchten, einfache Hallenstrahler | Einfache Abdeckung, PC-Wanne | Lagerhallen, grobe Arbeiten | € |
| UGR ≤ 28 | Feuchtraumleuchten, LED-Tubes | Minimale Anforderungen | Flure, Treppenhäuser, Parkplätze | € |
💡 Praxistipp: UGR-Reserve einplanen
Planen Sie immer 3 UGR-Punkte Reserve ein! Wenn UGR ≤ 19 gefordert ist, wählen Sie Leuchten mit UGR 16. Gründe: Fertigungstoleranzen, Alterung, abweichende Raumgeometrie, unterschiedliche Beobachterpositionen. Die Reserve kostet kaum mehr, verhindert aber spätere Reklamationen.
Software-Tools
DIALux evo
Kostenlos | Industrie-Standard für Lichtplanung
- ✓ Automatische U₀-Berechnung
- ✓ UGR-Berechnung mit 4-Punkte-Methode
- ✓ 3D-Visualisierung
- ✓ Normgerechte Berichte
Relux Desktop
Kostenlos | Alternative zu DIALux
- ✓ Einfachere Bedienung
- ✓ Schnelle Berechnungen
- ✓ DIN EN 12464-1 Prüfung
- ✓ Export nach PDF/IFC
Luxmeter mit Datenlogger
Hardware | Für Messungen vor Ort
- ✓ Kalibriert nach DIN 5032-7
- ✓ Speicherung mehrerer Messpunkte
- ✓ Bluetooth-Übertragung möglich
- Beispiel: Gossen Mavolux 5032 C
Zusammenfassung
Kernpunkte
- Drei Parameter: Beleuchtungsstärke (E), Gleichmäßigkeit (U₀) und Blendung (UGR) müssen gleichzeitig erfüllt sein
- U₀ = Emin / Em: Mindestens 0,40 (Hintergrund), besser 0,70 (Sehaufgabe). Praxis: +0,1 Puffer einplanen
- UGR-Maximalwerte: Büro ≤19, Industrie ≤22, Verkehr ≤28. Je niedriger, desto besser
- Optimierung U₀: Leuchtenabstand reduzieren, breitstrahlende Optiken, Indirektanteil erhöhen
- Optimierung UGR: Mikroprismen-Optik, große Leuchtflächen, helle Decken/Wände, richtige Anordnung
- Software nutzen: DIALux/Relux für normgerechte Berechnung zwingend erforderlich
- Messung: Kalibriertes Luxmeter, Messraster nach Norm, Tageslicht ausschließen
Weiterführende Informationen & Hilfreiche Tools
🔗 Verwandte Artikel und Rechner zur professionellen Lichtplanung und normgerechten Beleuchtung:
→ Beleuchtungsstärke (Lux)
Grundlagen der Lichtmessung
→ Lumen-Lux Rechner
Beleuchtungsstärke berechnen
→ LED-Optik Design
Abstrahlwinkel & Lichtverteilung
→ LED-Hallenbeleuchtung
Industrielle Beleuchtungsplanung
→ LED Lichtplanung Software
DIALux & Relux Überblick
→ Farbwiedergabeindex (CRI)
Lichtqualität & Spektrum
→ Arbeitsplatzbeleuchtung Normen
EN 12464 vollständig erklärt
→ LED Funktionsweise
Technische Grundlagen
→ LED Leistung berechnen
Watt, Lumen & Effizienz
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für normgerechte Planung und rechtsverbindliche Aussagen konsultieren Sie einen zertifizierten Lichtplaner oder die aktuelle Fassung der DIN EN 12464-1.