Gleichmäßigkeit und Blendung

Zusammenfassung

Neben der Beleuchtungsstärke (Lux) sind Gleichmäßigkeit (U0)und Blendungsbegrenzung (UGR) entscheidend für gute Lichtqualität. DIN EN 12464-1 fordert Mindestwerte für beide Parameter. Dieser Artikel erklärt Berechnung, Messung und Optimierung beider Kennzahlen mit praktischen Beispielen und Visualisierungen.

Was ist Beleuchtungsqualität?

Gute Beleuchtung bedeutet mehr als nur „hell genug". Die Lichtqualität wird durch drei Hauptparameter bestimmt:

1. Beleuchtungsstärke (E)

Wie viel Licht kommt an?

Gemessen in Lux (lx)

2. Gleichmäßigkeit (U0)

Wie gleichmäßig ist das Licht verteilt?

Verhältnis 0-1 (dimensionslos)

3. Blendung (UGR)

Wie stark blendet die Lichtquelle?

Skala 10-28 (niedriger = besser)

⚠️ Häufiger Planungsfehler

Viele Projekte erfüllen nur die Lux-Anforderung, ignorieren aber U0 und UGR. Das Ergebnis: Technisch korrekt, aber unbequem für die Nutzer.Alle drei Parameter müssen gleichzeitig erfüllt sein!

Gleichmäßigkeit (U0) im Detail

Definition und Formel

U₀ = Emin / Em

Emin = Minimale Beleuchtungsstärke im Bereich (dunkelster Punkt)

Em = Mittlere Beleuchtungsstärke im Bereich (Durchschnitt)

U₀ = Gleichmäßigkeit (dimensionslos, Werte zwischen 0 und 1)

Die Gleichmäßigkeit U₀ beschreibt, wie gleichmäßig das Licht verteilt ist. Ein Wert von 1,0 wäre perfekt gleichmäßig (theoretisch unmöglich), Werte nahe 0 bedeuten extreme Helligkeitsunterschiede.

Visuelle Darstellung

Schlechte Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,25)

Em: 500 lxEmin: 125 lx (Ecke)

❌ Starke Helligkeitsunterschiede, Ecken zu dunkel

Mittlere Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,50)

Em: 500 lxEmin: 250 lx (Ecke)

⚠️ Akzeptabel für Umgebungsbereiche

Gute Gleichmäßigkeit (U₀ = 0,70)

Em: 500 lxEmin: 350 lx (Ecke)

✅ Gleichmäßige Ausleuchtung, normgerecht

Messraster-Visualisierung

Typisches 3×3 Messraster für kleine Räume

420 lx520 lx430 lx510 lx540 lx515 lx410 lx525 lx415 lx

Berechnung:

  • Em (Mittelwert): (420+520+430+510+540+515+410+525+415) / 9 = 476 lx
  • Emin (Minimum): 410 lx (untere linke Ecke)
  • U₀ = Emin / Em: 410 / 476 = 0,86 ✅ Sehr gut!

Norm-Anforderungen nach DIN EN 12464-1

Die DIN EN 12464-1 unterscheidet drei Bereiche mit unterschiedlichen U₀-Anforderungen:

BereichMindest-U₀ErklärungBeispiel
Sehaufgabe≥ 0,70Arbeitsbereich, direktes SehenSchreibtisch, Werkbank
Umgebungsbereich≥ 0,500,5 m um Sehaufgabe herumBereich um den Schreibtisch
Hintergrund≥ 0,40Rest des RaumsRückwärtige Raumteile

Vollständige Anforderungstabelle nach DIN EN 12464-1:2021

Auszug häufig benötigter Arbeitsplätze mit allen drei Parametern (Stand: November 2025)

Art der Tätigkeit / RaumĒm (lx)U₀UGR_maxBesonderheiten
Büros und Verwaltung
Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung5000,6019Standard-Büroarbeitsplatz
Technisches Zeichnen (CAD)7500,7016Hohe Präzision erforderlich
Konferenzräume5000,6019Dimmbarer Betrieb empfohlen
Empfang/Reception3000,6022Repräsentativer Charakter
Industrie und Handwerk
Grobe Montagearbeiten2000,4025Große Teile, geringe Genauigkeit
Mittlere Montagearbeiten3000,6022Mittlere Teile und Genauigkeit
Feinmontage (Elektronik)7500,7019Kleine Teile, hohe Präzision
Sehr feine Montage (SMD-Bestückung)15000,7016Minimale Teile, höchste Präzision
Qualitätskontrolle (visuell)10000,7019Fehlerdetektierung erforderlich
Lager und Logistik
Lagergänge (allgemein)1000,4028Verkehrssicherheit ausreichend
Kommissionierung (grob)1500,4025Große Artikel, Kartons
Kommissionierung (fein)3000,6025Kleine Artikel, Etiketten lesen
Verpackung / Versand3000,6025Kontrolle und Dokumentation
Verkaufs- und Servicebereiche
Verkaufsraum (allgemein)3000,4022Akzentbeleuchtung zusätzlich
Kassenbereich5000,6019Preisschilder/Geldscheine erkennen
Werkstatt (KFZ, Mechanik)5000,6022Zusatzleuchten für Detailarbeit
Verkehrswege und Nebenflächen
Flure / Korridore1000,4028Sicherheitsbeleuchtung beachten
Treppenhäuser1500,4028Stufen gut erkennbar
Sanitärräume2000,4025IP44 Schutzart erforderlich
Pausenräume / Kantine2000,4022Gemütlichkeit vs. Funktion

📋 Hinweise zur Tabelle

  • Ēm: Wartungswert der mittleren Beleuchtungsstärke auf der Nutzebene
  • U₀: Gleichmäßigkeit = Emin / Ēm (auf derselben Fläche)
  • UGR_max: Maximal zulässiger Blendwert (niedrigere Werte sind besser)
  • Umgebungsbeleuchtung: Sollte mindestens 1/3 der Beleuchtungsstärke der Sehaufgabe betragen, aber nicht weniger als 200 lx bei Ēm ≥ 500 lx
  • Alle Werte: Gelten für normale Sehaufgaben. Bei Sehbehinderung können höhere Werte erforderlich sein

🎯 Praxistipp: Zielwerte

In der Planung sollten Sie nicht die Mindestwerte anstreben, sondern:
Sehaufgabe: U₀ ≥ 0,75
Umgebungsbereich: U₀ ≥ 0,60
Hintergrund: U₀ ≥ 0,50

Grund: Im Laufe der Zeit verschlechtert sich die Gleichmäßigkeit durch Lampenverschmutzung und Alterung (Wartungsfaktor!).

Praktische Beispielrechnungen

Beispiel 1: Büroraum (gut)

Gemessene Werte:

  • Em = 520 lx (Durchschnitt)
  • Emin = 410 lx (dunkelste Ecke)

U₀ = 410 / 520 = 0,79

✓ Bewertung: Anforderung (≥ 0,40) deutlich übertroffen. Sehr gute Gleichmäßigkeit!

Beispiel 2: Industriehalle (schlecht)

Gemessene Werte:

  • Em = 380 lx (Durchschnitt)
  • Emin = 95 lx (zwischen Leuchten)

U₀ = 95 / 380 = 0,25

✗ Bewertung: Anforderung nicht erfüllt! Leuchtenabstand zu groß oder falsche Optik.

Messmethode für U₀

Um die Gleichmäßigkeit zu messen, benötigen Sie ein kalibriertes Luxmeter und ein Messraster:

Standard-Messpunkte nach DIN EN 12464-1:

  1. Raum in Raster unterteilen (z.B. 2m × 2m bei großen Räumen)
  2. Messhöhe: 0,85 m (Schreibtischhöhe) oder arbeitsspezifisch
  3. An jedem Rasterpunkt Beleuchtungsstärke messen
  4. Mittelwert Em berechnen (Summe aller Werte / Anzahl Messpunkte)
  5. Niedrigsten Wert Emin identifizieren
  6. U₀ = Emin / Em berechnen

⚠️ Häufige Messfehler

  • Zu wenige Messpunkte: Minimum 9 Punkte bei kleinen Räumen
  • Falsche Höhe: Immer auf Arbeitshöhe messen, nicht Bodenhöhe!
  • Tageslicht nicht ausgeschlossen: Messung nachts oder mit abgedunkelten Fenstern
  • Lampen nicht eingebrannt: LED-Leuchten mind. 100h betreiben vor Messung

U₀ optimieren: Praktische Strategien

Ursachen für schlechte Gleichmäßigkeit

ProblemUrsacheLösung
Dunkle EckenLeuchtenabstand zu großMehr Leuchten installieren oder engere Anordnung
Lichtkegel sichtbarZu enge AbstrahlcharakteristikLeuchten mit breiterem Abstrahlwinkel (120°+)
Helle Flecken unter LeuchtenMontagehöhe zu niedrigLeuchten höher montieren oder indirekte Beleuchtung
Ungleichmäßige ReihenAsymmetrische LeuchtenanordnungSymmetrisches Raster planen
Streifen/MusterFalsche LeuchtenausrichtungBAP-Ausrichtung (Batwing-Optik) verwenden

Optimierungsmaßnahmen

1. Leuchtenabstand

Faustregel: Abstand zwischen Leuchten sollte nicht größer sein als das 1,5-fache der Montagehöhe.

Beispiel: Bei 3m Deckenhöhe → max. 4,5m Abstand

2. Optik wählen

Breitstrahlend (≥120°): Für gleichmäßige Ausleuchtung
Engstrahlend (<60°): Nur für Akzentbeleuchtung

BAP/BAT-Optiken speziell für hohe Gleichmäßigkeit entwickelt

3. Indirektanteil

Direktes Licht (0/100%): U₀ schwieriger zu erreichen
Direkt/Indirekt (50/50%): Bessere Gleichmäßigkeit

Indirektlicht von Decke reflektiert = natürlichere Verteilung

Blendung (UGR) im Detail

Was ist UGR?

UGR = Unified Glare Rating (Einheitliche Blendungsbewertung)

Der UGR-Wert quantifiziert die psychologische Blendung – das subjektive Unbehagen durch zu helle Lichtquellen im Gesichtsfeld. Je niedriger der UGR-Wert, desto geringer die Blendung.

Blendung entsteht, wenn der Leuchtdichtekontrast zwischen Lichtquelle und Umgebung zu groß ist. Das menschliche Auge kann sich nicht gleichzeitig an sehr helle und dunkle Bereiche adaptieren – die Folge: Unbehagen, Ermüdung, reduzierte Sehleistung.

Arten der Blendung

Direktblendung

Lichtquelle liegt direkt im Blickfeld. Typisch bei Deckenleuchten über dem Arbeitsplatz.

Direktblick zur Leuchte

Reflexblendung

Lichtreflexion auf glänzenden Oberflächen (Bildschirm, Tastatur, glänzendes Papier).

Spiegelung im Bildschirm

UGR-Skala

10
Keine wahrnehmbare Blendung
13
Sehr geringe Blendung
16
Geringe Blendung
19
Spürbare Blendung
22
Deutliche Blendung
25
Starke Blendung
28+
Unzumutbare Blendung

UGR-Visualisierung: Einflussfaktoren

Hoher UGR (schlecht): UGR = 26

Hohe Leuchtdichte
  • ❌ Leuchte direkt im Blickfeld
  • ❌ Sehr helle Leuchtfläche (10.000 cd/m²)
  • ❌ Dunkler Raum (geringer Hintergrund)
  • ❌ Keine Abschirmung

Niedriger UGR (gut): UGR = 17

Niedrige Leuchtdichte
  • ✅ Große Leuchtfläche (niedrige cd/m²)
  • ✅ Microprismenoptik / Raster
  • ✅ Heller Raum (hoher Hintergrund)
  • ✅ Indirektanteil 30%

UGR-Grenzwerte nach DIN EN 12464-1

Die Norm definiert maximale UGR-Werte je nach Sehaufgabe. Wichtig: Es sind Maximalwerte – niedrigere Werte sind besser!

ArbeitsbereichMax. UGRTypische TätigkeitenAnforderungsniveau
Präzisionsarbeit≤ 16Technisches Zeichnen, CAD, FeinmontageSehr hoch
Büroarbeit≤ 19Bildschirmarbeit, Lesen, Schreiben, MeetingsHoch
Industrie/Werkstatt≤ 22Montage, Maschinenarbeit, KontrolleMittel
Lager/Logistik≤ 25Kommissionierung, grobe ArbeitenNiedrig
Verkehrswege≤ 28Flure, Treppen, ParkplätzeMinimal

📐 UGR-Schritte verstehen

UGR-Werte werden in 3er-Schritten angegeben: 10, 13, 16, 19, 22, 25, 28.
Jeder Schritt entspricht einer wahrnehmbaren Veränderung der Blendung. Ein Unterschied von 3 UGR-Punkten ist für die meisten Menschen gerade noch spürbar.

UGR-Berechnung und Einflussfaktoren

Die UGR-Formel (vereinfacht)

UGR = 8 × log₁₀[(0,25/Lb) × Σ(L²s × ω / p²)]

Lb = Hintergrund-Leuchtdichte (cd/m²)

Ls = Leuchtdichte der Lichtquelle (cd/m²)

ω = Raumwinkel der Lichtquelle (Größe im Gesichtsfeld)

p = Positionsindex (Abstand vom Blickzentrum)

⚠️ Wichtig für Planer

Die UGR-Berechnung ist komplex und erfordert lichttechnische Software (DIALux, Relux). Die Software berücksichtigt Raumgeometrie, Leuchtenanordnung, Reflexionsgrade und Beobachterpositionen.Manuelle Berechnung ist nicht praktikabel!

Einflussfaktoren auf UGR

FaktorAuswirkungOptimierung
Leuchtdichte (cd/m²)Je heller die sichtbare Fläche, desto höher UGRMikroprismen-Optiken, Entblendungsraster
LeuchtengrößeGroße Leuchtflächen reduzieren UGRFlächenleuchten statt Punktleuchten
Position im GesichtsfeldLeuchten nahe der Blickachse = höherer UGRIndirekte Beleuchtung, Pendelleuchten
Hintergrund-HelligkeitDunkler Raum = höherer UGRHelle Decken/Wände (Reflexionsgrade ≥70%)
AbstrahlwinkelSteile Winkel (<65°) kritischLeuchten mit guter Abschirmung (>65°)

Reflexionsgrade für UGR-Berechnung

Die Reflexionsgrade der Raumoberflächen beeinflussen die Hintergrund-Leuchtdichte und damit den UGR erheblich. Hier typische Werte nach DIN EN 12464-1:

OberflächeEmpfohlener ReflexionsgradMaterial/Farbe (Beispiele)Auswirkung
Decke0,70 – 0,90Weiße Farbe (RAL 9016), helle AkustikdeckenMaximale Lichtreflexion, senkt UGR deutlich
Wände0,50 – 0,80Hellgrau (RAL 9002), Beige, CremeGute Raumhelligkeit, angenehme Atmosphäre
Boden0,20 – 0,40Heller Laminat, PVC, FliesenZu hell vermeiden (Reflexblendung!)
Arbeitsflächen0,20 – 0,60Helle Tischplatten, mattMatt wichtig zur Vermeidung von Reflexionen

⚠️ Wichtig: Reflexionsgrade in Lichtplanungssoftware

Verwenden Sie in DIALux/Relux realistische Reflexionsgrade! Standard-Voreinstellungen sind oft zu optimistisch (z.B. Decke 0,80 statt real 0,65 bei Renovierung). Zu hohe Werte führen zu zu niedrig berechneten UGR-Werten → Blendung wird in der Realität höher sein als berechnet!

UGR optimieren: Praktische Lösungen

Konstruktive Maßnahmen

1. Leuchtenauswahl

  • Prismen-/Mikropyrami den-Optik: Leuchtdichte <3.000 cd/m²
  • BAP-Raster: Blendungsbegrenzung bei 65°
  • Indirektleuchten: UGR < 16 typisch
  • Opal-Abdeckung: Einfach, aber höherer UGR

2. Anordnung

  • Parallel zur Blickrichtung: Leuchtenreihen längs zur Hauptsehrichtung
  • Montagehöhe: Höher = besser (größerer Abstand zum Auge)
  • Indirektanteil: 30-50% indirekt senkt UGR deutlich
  • Pendelleuchten: Abschirmwinkel mindestens 65°

3. Raumgestaltung

  • Helle Decken: Reflexionsgrad ≥70% (weiß)
  • Helle Wände: Reflexionsgrad ≥50% (hellgrau/beige)
  • Mattierte Oberflächen: Vermeidet Reflexblendung
  • Tageslichtnutzung: Erhöht Hintergrund-Leuchtdichte

Spezialfall: Bildschirmarbeitsplätze

Besondere Anforderungen nach ASR A3.4

Bei Bildschirmarbeit ist Reflexblendung das Hauptproblem. Zusätzlich zu UGR ≤ 19:

  • Leuchtenanordnung: Parallel zur Fensterfront und Blickrichtung
  • Abstrahlwinkel: Abschirmung ab 65° (keine Reflexion im Bildschirm)
  • Leuchtdichte: Max. 3.000 cd/m² bei 65°-85° Abstrahlwinkel
  • Bildschirmausrichtung: 90° zu Fenstern, nie direkt davor/dahinter
  • Tageslichtsteuerung: Blendschutz (Jalousien) erforderlich

Praxisbeispiele

Fallbeispiel 1: Büro-Sanierung

Ausgangssituation (schlecht)

  • Alte T8-Rasterleuchten mit Opal-Abdeckung
  • Gemessener UGR: 25 (Soll: ≤ 19)
  • Beschwerden: Blendung, Kopfschmerzen, Bildschirmreflexionen

Lösung (gut)

  • Austausch gegen LED-Leuchten mit Mikropr ismen-Optik
  • Anordnung parallel zur Hauptblickrichtung
  • 30% Indirektanteil über die Decke

Ergebnis: UGR = 17, Mitarbeiter berichten von deutlich angenehmerer Beleuchtung

Fallbeispiel 2: Industriehalle

Ausgangssituation (akzeptabel)

  • Hochdrucknatriumdampflampen, 8m Deckenhöhe
  • Gemessener UGR: 24 (Soll: ≤ 22)
  • Problem: Starke Punktlichtquellen

Lösung (gut)

  • LED-Hallentiefstrahler mit breiter Optik (120°)
  • Mehr Leuchten mit geringerer Einzelleistung
  • Wände gestrichen (von dunkelgrau auf hellgrau)

Ergebnis: UGR = 20, gleichzeitig bessere Gleichmäßigkeit (U₀ von 0,45 auf 0,62)

Checkliste: U₀ und UGR prüfen

Planungsphase

  1. ☐ Norm-Anforderungen identifiziert (U₀ + UGR für die Tätigkeit)
  2. ☐ Leuchten mit UGR-Tabellen ausgewählt (Datenblatt prüfen!)
  3. ☐ Lichttechnische Berechnung in DIALux/Relux durchgeführt
  4. ☐ U₀ ≥ Normwert + 0,1 Puffer (wegen Alterung)
  5. ☐ UGR mindestens 3 Punkte unter Maximalwert
  6. ☐ Reflexionsgrade der Oberflächen berücksichtigt

Abnahmemessung

  1. ☐ Beleuchtungsstärke-Raster gemessen (E min/Em für U₀)
  2. ☐ UGR mit Leuchtdichte-Messgerät geprüft (optional)
  3. ☐ Subjektive Beurteilung durch Nutzer eingeholt
  4. ☐ Bildschirmreflexionen an mehreren Arbeitsplätzen geprüft
  5. ☐ Messprotokoll erstellt und dokumentiert

Häufige Fehler vermeiden

FehlerKonsequenzVermeidung
Nur Lux-Wert beachtetNorm erfüllt, aber Nutzer unzufriedenImmer alle 3 Parameter prüfen (E, U₀, UGR)
UGR-Tabelle falsch gelesenUGR in Realität höher als berechnetRaumgröße und Beobachterposition prüfen
Billigste Leuchte gewähltUGR 25 statt benötigter 19Leuchtendatenblatt UGR-Werte prüfen
Zu wenige LeuchtenEinzelleuchten zu hell → hoher UGRMehr Leuchten, dafür gedimmt = niedriger UGR
Dunkle RaumgestaltungKontrast zu hoch → Blendung verstärktHelle Decken (≥70% Reflexion) planen

Schnellreferenz: Leuchtenauswahl nach UGR-Anforderung

GefordertGeeignete LeuchtentypenOptik/AbschirmungBeispielePreis
UGR ≤ 16Indirekt-/Direktanteil 50/50, Pendelleuchten mit MikroprismenHochwertige Mikroprismen, kein direkter Blick auf LEDCAD-Arbeitsplätze, Zeichnungsbüros€€€
UGR ≤ 19Panel mit Mikroprismen, BAP-RasterleuchtenMikroprismen oder BAP-Raster (65°)Standard-Büros, Bildschirmarbeit€€
UGR ≤ 22Rasterleuchten, Panels mit Opal, HallenleuchtenStandard-Raster oder Opal-DiffusorIndustrie, Werkstätten, Lager
UGR ≤ 25Wannenleuchten, einfache HallenstrahlerEinfache Abdeckung, PC-WanneLagerhallen, grobe Arbeiten
UGR ≤ 28Feuchtraumleuchten, LED-TubesMinimale AnforderungenFlure, Treppenhäuser, Parkplätze

💡 Praxistipp: UGR-Reserve einplanen

Planen Sie immer 3 UGR-Punkte Reserve ein! Wenn UGR ≤ 19 gefordert ist, wählen Sie Leuchten mit UGR 16. Gründe: Fertigungstoleranzen, Alterung, abweichende Raumgeometrie, unterschiedliche Beobachterpositionen. Die Reserve kostet kaum mehr, verhindert aber spätere Reklamationen.

Software-Tools

DIALux evo

Kostenlos | Industrie-Standard für Lichtplanung

  • ✓ Automatische U₀-Berechnung
  • ✓ UGR-Berechnung mit 4-Punkte-Methode
  • ✓ 3D-Visualisierung
  • ✓ Normgerechte Berichte

Relux Desktop

Kostenlos | Alternative zu DIALux

  • ✓ Einfachere Bedienung
  • ✓ Schnelle Berechnungen
  • ✓ DIN EN 12464-1 Prüfung
  • ✓ Export nach PDF/IFC

Luxmeter mit Datenlogger

Hardware | Für Messungen vor Ort

  • ✓ Kalibriert nach DIN 5032-7
  • ✓ Speicherung mehrerer Messpunkte
  • ✓ Bluetooth-Übertragung möglich
  • Beispiel: Gossen Mavolux 5032 C

Zusammenfassung

Kernpunkte

  • Drei Parameter: Beleuchtungsstärke (E), Gleichmäßigkeit (U₀) und Blendung (UGR) müssen gleichzeitig erfüllt sein
  • U₀ = Emin / Em: Mindestens 0,40 (Hintergrund), besser 0,70 (Sehaufgabe). Praxis: +0,1 Puffer einplanen
  • UGR-Maximalwerte: Büro ≤19, Industrie ≤22, Verkehr ≤28. Je niedriger, desto besser
  • Optimierung U₀: Leuchtenabstand reduzieren, breitstrahlende Optiken, Indirektanteil erhöhen
  • Optimierung UGR: Mikroprismen-Optik, große Leuchtflächen, helle Decken/Wände, richtige Anordnung
  • Software nutzen: DIALux/Relux für normgerechte Berechnung zwingend erforderlich
  • Messung: Kalibriertes Luxmeter, Messraster nach Norm, Tageslicht ausschließen

Weiterführende Informationen & Hilfreiche Tools

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Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für normgerechte Planung und rechtsverbindliche Aussagen konsultieren Sie einen zertifizierten Lichtplaner oder die aktuelle Fassung der DIN EN 12464-1.