RCD Auslösezeit Tabelle
Maximale Auslösezeiten für FI-Schutzschalter nach DIN VDE 0664: Standard-RCD und selektive (Typ S) RCDs bei verschiedenen Fehlerströmen.
📌 Kernaussage
Ein Standard-FI mit 30 mA Nennfehlerstrom muss bei 30 mA innerhalb von300 ms und bei 150 mA (5×IΔn) innerhalb von40 ms auslösen. In der Praxis lösen gute Geräte in < 30 ms aus.
Maximale Auslösezeiten nach VDE 0664
| Fehlerstrom | Standard-RCD | Selektiv (Typ S) | ||
|---|---|---|---|---|
| Max. Auslösezeit | Max. Nichtauslösung | Max. Auslösezeit | Min. Nichtauslösung | |
| 0,5 × IΔn | — | — | — | — |
| 1 × IΔn (30 mA) | 300 ms | — | 500 ms | 130 ms |
| 2 × IΔn (60 mA) | 150 ms | — | 200 ms | 60 ms |
| 5 × IΔn (150 mA) | 40 ms | — | 150 ms | 50 ms |
IΔn = Bemessungsfehlerstrom. Werte nach DIN VDE 0664-10/20/30.
Nennfehlerströme (IΔn) Übersicht
| IΔn | Bezeichnung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| 10 mA | Hochempfindlich | Medizintechnik, Herzschutz, Nassbereich-Spezial |
| 30 mA | Personenschutz | Standard für Steckdosen, Beleuchtung, Bad, Außen |
| 100 mA | Ergänzend | Brandschutz, zusätzlicher Personenschutz |
| 300 mA | Brandschutz | Vorschaltgerät, Brandschutz nach VDE 0100-420 |
| 500 mA | Brandschutz | Industrielle Brandschutzanwendungen |
Praxisbeispiele: Kaskadierung & Selektivität
Beispiel 1: Typisches Einfamilienhaus
Ein 30 mA Standard-RCD schützt das Badezimmer. Ein Erdschluss tritt an einem defekten Föhn auf, der exakt 30 mA Fehlerstrom zur Erde ableitet.
- Norm-Toleranz: Mechanik darf max. 300 ms brauchen.
- Labor/Realität: Gute Marken-FI (z.B. Hager, ABB) schalten heute oft bereits nach ca. 15-25 ms ab.
Beispiel 2: Kaskadierung (Wallbox)
Eine Unterverteilung in der Garage (Wallbox) hat einen eigenen 30 mA RCD. Die Zuleitung zur Garage ist im Hauptverteiler durch einen 300 mA RCD als Brandschutz geschützt.
- Problem bei Standard-RCDs: Reißen beide aus, fällt das halbe Haus dunkel.
- Lösung: Der 300 mA FI im Hauptverteiler muss alsTyp S (selektiv) ausgeführt sein.
RCD-Prüfung nach DGUV V3 und DIN VDE 0100-600
Um die Einhaltung der Tabellenwerte in der Praxis zu beweisen, müssen elektrische Anlagen vor Inbetriebnahme (VDE 0100-600) und periodisch (DGUV Vorschrift 3) messtechnisch überprüft werden. Die Prüfgeräte messen hierbei mit zwei Hauptverfahren: DerPulsmessung (sofortiges Beaufschlagen mit dem vollen Nennfehlerstrom messen der Millisekunden) und demRampentest (langsames anheben des Fehlerstroms um zu prüfen,wann der FI auslöst – er muss zwischen 0,5× und 1,0× IΔn auslösen).
Prüfintervalle
Zwingende Norm-Messschritte
Häufige Fragen
Wie schnell muss ein FI-Schutzschalter auslösen?
Bei Nennfehlerstrom (z.B. 30 mA) muss ein Standard-RCD innerhalb von 300 ms abschalten. Bei 5× Nennfehlerstrom (150 mA) innerhalb von 40 ms. Selektive RCDs (Typ S) dürfen bis zu 500 ms benötigen.
Warum darf der RCD bei 0,5× IΔn nicht auslösen?
Ein RCD (FI-Schutzschalter) hat eine Toleranz. Bei einem 30 mA Schalter bedeutet ein halber Nennfehlerstrom (15 mA) die untere Grenze. Löst der RCD hier bereits aus, ist er zu empfindlich und führt im Alltag zu ständigen, fehlerhaften Abschaltungen durch normale betriebsmäßige Ableitströme (z. B. von Schaltnetzteilen).
Was ist ein selektiver RCD (Typ S)?
Ein selektiver RCD hat eine eingebaute Auslöseverzögerung (mindestens 40 ms bis max. 130 ms). Damit kann ein nachgeschalteter Standard-RCD zuerst auslösen — es fällt nur der betroffene Endstromkreis aus, nicht die gesamte Gebäudeanlage. Pflicht bei mehrstufiger RCD-Kaskadierung.
Wie misst man die FI-Auslösezeit korrekt?
Für die VDE 0100-600 Erstprüfung oder DGUV V3 Wiederholungsprüfung wird ein spezielles Installationstester-Messgerät verwendet. Es simuliert einen Fehlerstrom an der Steckdose und misst mikrosekundengenau die Zeit, bis das Relais im RCD mechanisch trennt.
Welchen FI brauche ich?
Unsere Auswahl-Hilfe empfiehlt den passenden RCD-Typ für Ihre Anwendung.
Zur FI-Auswahl-Hilfe →Verwandte Inhalte
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