Elektroinstallation (Elektrische Installation)

📖 Kurzdefinition:

Die Elektroinstallation umfasst alle fest verlegten elektrischen Leitungen, Verteiler, Schalter, Steckdosen und Anschlüsse in einem Gebäude. Sie muss nachVDE 0100 (DIN VDE 0100-Normenreihe) ausgeführt werden und darf nur vonElektrofachkräften installiert werden.

⚠️ Wichtiger Sicherheitshinweis:

Arbeiten an der 230V/400V Netzspannung sind lebensgefährlich und dürfen nur von eingetragenen Elektrofachkräften durchgeführt werden! Verstöße können zu schweren Unfällen, Bränden und Versicherungsverlust führen.

Was gehört zur Elektroinstallation?

Die Elektroinstallation eines Gebäudes umfasst:

Energieverteilung

  • • Hausanschluss & Zählerschrank
  • • Hauptverteiler (UV)
  • • Unterverteiler (ZV)
  • • Sicherungen & Leitungsschutzschalter
  • • FI-Schutzschalter (RCD)

Leitungssystem

  • • Kabel & Leitungen (NYM, NYY)
  • • Rohre & Kabelkanäle
  • • Dosen & Abzweigungen
  • • Klemmen & Verbindungen
  • • Erdungsanlagen

Verbrauchsgeräte

  • • Steckdosen & Schalter
  • Leuchten & Lampenanschlüsse
  • • Festanschlüsse (Herd, Heizung...)
  • • Antennendosen, Netzwerkdosen
  • • Klingel, Türsprechanlage

Schutzmaßnahmen

  • • Schutzleiter (PE, Erdung)
  • • Potentialausgleich
  • • Überspannungsschutz
  • • Fehlerstromschutz (FI/RCD)
  • • Brandschutzmaßnahmen

VDE 0100 – Die wichtigste Norm

Die DIN VDE 0100 ist die zentrale Normenreihe für die Elektroinstallation in Deutschland. Sie regelt:

NormInhalt
VDE 0100-410Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag
VDE 0100-420Schutz gegen thermische Auswirkungen
VDE 0100-430Schutz bei Überstrom (Leitungsschutz)
VDE 0100-520Kabel- und Leitungsanlagen
VDE 0100-540Erdung, Schutzleiter, Potentialausgleich
VDE 0100-600Prüfungen (Erstprüfung, Wiederholungsprüfung)
VDE 0100-701Räume mit Badewanne/Dusche (Schutzbereiche)

Installationszonen nach DIN 18015

Leitungen müssen in definierten Installationszonen verlegt werden, damit sie:

  • ✓ Beim Bohren nicht beschädigt werden
  • ✓ Nachvollziehbar und wartbar sind
  • ✓ Brandschutzanforderungen erfüllen

Zulässige Installationszonen:

  • Senkrecht: 15 cm links/rechts von Ecken, Türen, Fenstern
  • Waagerecht: 30 cm unter der Decke, 30 cm über dem Boden, 15 cm über Fensterbänken
  • Steckdosen: Senkrechte Zone ober-/unterhalb der Dose
  • Schalter: Senkrechte Zone ober-/unterhalb des Schalters

→ Außerhalb dieser Zonen ist nur direkt senkrecht/waagerecht erlaubt (keine diagonalen Leitungen!)

Schutzleiter & Erdung – Lebenswichtig!

Der Schutzleiter (PE, grün-gelb) ist die wichtigste Sicherheitseinrichtung:

✓ Funktion:

Leitet bei einem Fehler (z.B. Gehäuseberührung) den Fehlerstrom zur Erde ab und löst dadurch die Sicherung aus → verhindert tödliche Stromschläge!

Anschluss:

Alle metallischen Gehäuseteile von Geräten (Klasse I) müssen mit dem PE-Leiter verbunden sein.Niemals PE und N (Neutralleiter) vertauschen!

FI-Schutzschalter (RCD) – Pflicht!

Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) sind seit 2009 für alle Steckdosenstromkreise Pflicht:

Wie funktioniert ein FI-Schalter?

Der FI misst, ob der Hin- und Rückstrom gleich groß sind. Bei einer Differenz (z.B. 30mA durch einen Stromschlag) schaltet er innerhalb von 0,03 Sekunden ab.

→ Ein FI kann Leben retten, aber ersetzt NICHT den Schutzleiter!

Was dürfen Laien selbst machen?

✓ Erlaubt (ohne Elektrofachkraft):

  • ✓ Lampen wechseln (Leuchtmittel)
  • ✓ Stecker anschließen
  • ✓ Verlängerungskabel nutzen
  • ✓ 12V/24V Niedervolt-LEDs (nach Trafo)
  • ✓ Batteriebetriebene Geräte

❌ Verboten (nur Elektrofachkraft!):

  • ❌ Steckdosen installieren/umsetzen
  • ❌ Leitungen verlegen
  • ❌ Leuchten fest anschließen (230V)
  • ❌ Sicherungskasten-Arbeiten
  • ❌ Verteilerdosen öffnen
  • ❌ Kabel abisolieren/klemmen

⚖️ Rechtliche Folgen bei Eigenarbeiten:

  • Versicherungsschutz erlischt bei unsachgemäßer Installation
  • Bußgelder bis 10.000€ möglich
  • Haftung bei Schäden oder Unfällen
  • Keine Abnahme durch Netzbetreiber
  • Strafbar bei Personenschaden (fahrlässige Körperverletzung/Tötung)

Typische Fehler bei der Installation

  • PE und N vertauscht → Lebensgefahr! Gehäuse unter Spannung!
  • Zu kleine Kabelquerschnitte → Brandgefahr durch Überhitzung
  • Keine Zugentlastung → Kabel kann aus Klemme rutschen
  • Adern nicht gekennzeichnet → Verwechslungsgefahr bei Wartung
  • Lüsterklemmen in Hohlwand → Brandgefahr, nicht zulässig!
  • Außerhalb der Installationszonen → Beschädigungsgefahr beim Bohren
  • Kein FI-Schutzschalter → Normverstoß, lebensgefährlich!

Prüfung der Elektroinstallation

Nach VDE 0100-600 muss jede neue/geänderte Installation geprüft werden:

Erstprüfung (vor Inbetriebnahme)

Vollständige Prüfung aller Schutzmaßnahmen durch Elektrofachkraft mit Messprotokoll

Wiederholungsprüfung (periodisch)

Wohngebäude: Alle 10-15 Jahre empfohlen (nicht Pflicht)
Gewerblich: Je nach Nutzung alle 1-4 Jahre (DGUV V3)

Kosten für Elektroinstallation

Richtwerte für professionelle Installation (inkl. Material, ohne MwSt.):

ArbeitenKosten ca.
Steckdose setzen (Aufputz)40-60 €
Steckdose setzen (Unterputz, Neubau)80-120 €
Lichtauslass + Schalter (Neubau)100-150 €
Unterverteiler (8 Module)400-600 €
Komplette Wohnung (80m², Neubau)4.000-8.000 €

Verwandte Themen

📚 Normative Grundlagen

  • DIN VDE 0100 – Errichten von Niederspannungsanlagen
  • DIN 18015 – Elektrische Anlagen in Wohngebäuden
  • TAB (Technische Anschlussbedingungen) – Vorgaben des Netzbetreibers
  • NAV/NDAV – Niederspannungsanschlussverordnung

Letzte Aktualisierung: November 2025